Brigitte Rauschenbach

Der Traum und sein Schatten

Frühfeministin und Herausgeberin von Montaignes Essais: Marie de Gournay und ihre Zeit
Cover: Der Traum und sein Schatten
Ulrike Helmer Verlag, Königsstein 2000
ISBN 9783897410480
Broschiert, 247 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Marie de Gournay (1565?1645) war autodidaktisch gebildet, eine vorurteilslose Denkerin, eigensinnig und leidenschaftlich, mit sozialem Spürsinn begabt und ausdauernd streitbar. Die Verfasserin von "Die Gleichheit von Männern und Frauen" (1622) und der wenig später erscheinenden Schrift "Der Schatten" wurde als ?fille d?alliance? Montaignes nach dessen Tod Herausgeberin seiner Essais. Wenn sie auch die Achtung des Philosophen erringen konnte, die Querdenkerin Gournay überschritt nicht ungestraft das Gesetz der Geschlechter. Für eine Gesellschaft auf dem Wege in die Modernität wurde sie zunehmend zur Zielscheibe des Spotts und zum Inbegriff von "Rückständigkeit". Ein Buch über eine außergewöhnliche Frau und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Mentalitätsgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.03.2001

Susanne Lüdemann zeichnet in ihrer Besprechung die Figur der Marie de Gournay nach, die Michel de Montaigne in jungen Jahren kennengelernt hat und nach seinem Tod seine Werke herausgegeben hat. Wobei, wie Lüdemann anmerkt, unklar ist, ob es bei dem späten Montaigne durch die Begegnung mit Marie de Gournay tatsächlich zu einer veränderten Ansicht über die Möglichkeiten der "allerheiligsten Freundschaft" mit dem weiblichen Geschlecht gekommen ist oder ob Marie de Gournay, wie häufig vermutet, eigenmächtig Textstellen verändert oder hinzugefügt hat. Unzufrieden zeigt sich die Rezensentin mit dem unterschwellig vorhandenen larmoyant-feministischen Ton dieser Biografie. Mit dem Bild der Gournay als "Märtyrerin des Frühfeminismus" erweist die Autorin den Frauen und speziell de Gournay einen schlechten Dienst, findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.12.2000

Dies ist ein Buch über die "erste Feministin der Neuzeit", schreibt Ute Scheub, und über die Tragödie, als Frau der eigenen Zeit weit voraus zu sein. Scheub belegt das in ihrer Besprechung mit ausführlichen Zitaten der Autodidaktin und Freundin Montaignes, die als Kind armer Eltern über keine nennenswerte Schulbildung verfügte. So schrieb sie 1622, mit 30 Jahren, das Traktat "Über die Gleichheit von Frauen und Männern", das ihr jedoch laut Scheub nur Hohn und Spott einbrachte. Rauschenbach jedoch ist mit dieser Biografie "eine passagenweise etwas wirre, insgesamt aber spannende und lesenswerte Studie" gelungen, resümiert die Rezensentin.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…