Bruno Frank

Lüge als Staatsprinzip

Cover: Lüge als Staatsprinzip
Verlag Das kulturelle Gedächtnis, Berlin 2024
ISBN 9783946990840
Gebunden, 112 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Bruno Frank hat "Lüge als Staatsprinzip", eine leidenschaftliche Abrechnung mit Hitler und seiner Politik, wenige Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verfasst. Der Text entstand auf Anregung von Thomas Mann, der im Sommer 1939 eine Reihe von Broschüren plante, um die Stimme von Exil-Autoren nach Deutschland zu tragen. Der Ausbruch des Krieges vereitelte diese Pläne, Franks Text wurde nie gedruckt. 
Nun erscheint "Lüge als Staatsprinzip" zum ersten Mal: Es ist ein Fund aus den Archiven, der uns Einiges zu sagen hat. Der Band versammelt zwei Texte über die politischen Hoffnungen und Entgleisungen, Chancen und Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die beklemmend aktuell anmuten: Der eine ist wenige Wochen nach dem Ende des Ersten, der andere wenige Monate vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges entstanden. Bruno Franks "Von der Menschliebe" aus dem Dezember 1918 und "Lüge als Staatsprinzip" aus dem Juli 1939 appellieren an das Miteinander in der Gesellschaft und zeigen, wie dieses Miteinander durch destruktiven Eigennutz und haltlose Falschbehauptungen gespalten wurde.
 Ergänzt werden die beiden Essays durch Tagebucheinträge und Briefe von Franks Freunden Erika und Thomas Mann, die die Entstehung von Manns Broschüren-Projekt und die unmittelbaren Reaktionen auf "Lüge als Staatsprinzip" dokumentieren.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.01.2025

Rezensent Tobias Lemkuhl hält die Veröffentlichung von Bruno Franks durch Thomas Mann angeregten Aufsatz von 1939 für eine "beachtliche Ausgrabung". Zu erfahren ist laut Lemkuhl, wie hellsichtig der jüdische Autor Frank Hitler als vulgären und "hysterischen Komödianten" kennzeichnet, der die Lüge zum Staatsprinzip erhob. Wer sich an heutige Machthaber erinnert fühlt, liegt nicht falsch, ahnt der Rezensent. Die beigegebenen Briefe Manns zum Broschüren-Projekt von 1939, zu dem Franks Beitrag zählte, ergänzen den Band, meint Lemkuhl.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2024

Ein Text zu unserer Gegenwart, der allerdings im Jahr 1939 entstanden ist: So beschreibt Rezensent Felix Stephan Bruno Franks Schrift, die einst in einer von Thomas Mann herausgegebenen Schriftenreihe erscheinen sollte, um die Deutschen in möglichst unmissverständlichen Worten vor Hitler zu warnen - nur brach dann der Zweite Weltkrieg aus und verhinderte die Publikation. Frank beschimpft Hitler als Clown und notorischen Lügner, der nur einmal die Wahrheit gesagt habe, nämlich als er in "Mein Kampf" die Wirkungsmacht besonders großer Lügen hervorhob. Die Parallelen zu Donald Trump, dessen Wahlkampf auf der Lüge basierte, die letzte Wahl sei ihm gestohlen worden, ist offensichtlich, findet Stephan, der allerdings klarstellt, dass Trump anders als Hitler gleichzeitig ein Troll ist und die Lüge mit dem Unernst verbindet. Noch interessanter als Franks Schrift findet der Rezensent die Briefe Thomas Manns, die der insgesamt lesenswerten Veröffentlichung beigefügt sind, und die den Schriftsteller weniger als weltfremden Bildungsbürger, denn als politisch aktiven Intellektuellen vorstellen, der sich auf Pressearbeit versteht.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.10.2024

Diese beiden hier ausgegrabenen Essays des heute fast vergessenen Schriftstellers Bruno Frank sind veritable Trouvaillen, freut sich Marko Martin. Der erste Text, "Von der Menschenliebe", ist im Kontext der Münchner Räterepublik veröffentlicht worden, erläutert der Rezensent: Frank nimmt hier eine mutig gemäßigte Position ein und rät gegen die Verheißungen des Kommunismus, aber auch gegen ein bloßes Leistungsdenken zu einer "solidarischen Wettbewerbsgesellschaft". Da war Frank also weiter als sein späterer Freund Thomas Mann, der sich in dieser Zeit noch in reaktionären "Unpolitischen Betrachtungen" erging, erinnert der Rezensent. Der andere Essay ist von 1938/39, verfasst in einer von Thomas Mann geplanten Schriftenreihe, die wegen des Kriegs nicht zustande kam. Hier liefert Frank laut Martin eine höchst präzise Analyse von Hitlers Rhetorik, mit der Hitler es auch schaffte die westlichen Öffentlichkeiten vor dem Krieg einzulullen. Martin erkennt viele Bezüge zu heutigen Populisten.

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