Aus dem Polnischen von Klaus Staemmler. Der Einstieg ist ein einziges Stakkato an futuristischen Allegorien und unglaublichen Adjektiven über den Hunger und den Zorn eines Pariser Arbeiters, der sich an den selbstzufriedenen und lethargischen Bürgern rächt, indem er die Pest verbreitet. Dem folgt ein fesselndes Porträt verschiedenster Gesellschaftsgruppen, ihrer Konflikte und ihrer Methoden die Seuche zu ihrem Vorteil zu nutzen. Verdrängung und Verrat, Ausgrenzung der Infizierten, bis man selbst betroffen ist, Diebstahl, Ausbruch aus der Quarantäne, Rücksichtslosigkeit und Verzweifung treffen auf Empathie, Heldenmut und Hilfe und kulminieren in ein optimistisches und hoffnungsvolles Tremolo. Auch ein beiläufiges Porträt der frühen kommunistischen Bewegung in China macht diesen Roman zum Buch der Stunde von erstaunlicher Relevanz für die Gegenwart.
Rezensent Uli Hufen erkennt trotz mancher Parallelen zur Gegenwart in der Geschichte, die Bruno Jasienski in seinem Roman erzählt, dass es dem Autor nicht so sehr um die Darstellung einer Seuche und ihrer Umstände geht, sondern um das Danach. Was geschieht, nachdem der agent provocateur im Text, ein Obdachloser, Verzweifelter, die Pest nach Paris gebracht hat? Der Autor wäre nicht der kommunistische Agitator Jasienski, zielte er nicht auf eine Utopie, ahnt Hufen. Davon abgesehen verblüfft ihn der Roman von 1928 mit starken Bildern für ein dekadentes Paris und den sozialen Abstieg und die Radikalisierung des Protagonisten.
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