Katalog. Zürich 2004. Beiträge von Anna Nippa, Peter Herbstreuth, Susanna Kumschick und Michael Opitz. Mit 52 (46 farb.) Abb. In den Arbeiten Candida Höfers, die eine ständig wachsende Aufmerksamkeit erfahren, berlagern sich unterschiedliche Zeiten, Gegenstände und Stile und lassen eine heterogene Welt voller Überraschungen entstehen. Seit einigen Jahren hat die Künstlerin ihren fotografischen Blick auch ins Innere von Völkerkundemuseen gerichtet, in denen unterschiedliche Kulturen in eine natürliche Spannung treten und aufschlussreiche Überlagerungen bilden. Auch Depot und Archive, Restaurations- und Bearbeitungsräume werden gezeigt und gewähren dem Betrachter Einblick in das breite Spektrum dieser Orte des Staunens und Entdeckens. In den Textbeiträgen setzten sich die Autoren mit dem Werden, den Konzeptualisierungen und dem Wandel ethnographischer Museen auseinander, wie sie sich auch in den Fotografien von Candida Höfer spiegeln.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2004
Der Fotoband leistet laut Gennaro Ghirardelli zwei Dinge auf einmal: er setzt die Raum- und Zeitdimension musealer Sammlungen ins Bild, gibt also einen Überblick in der Entwicklung solcher Sammlungen vom Kuriositätenkabinett über Naturkunde- und Kolonialmuseum bis hin zum modernen ethnologischen Museum; andererseits offenbart sich in den Innenaufnahmen Höfers aus den Museen aus aller Welt die Entwicklung der Fotografin über drei Jahrzehnte. Da gibt es perspektivische Kompositionen, so Ghirardelli, intime Bildausschnitte in den Anfängen und Großformate von ungeheurer Intensität, die Höfer in jüngster Zeit fotografiert habe. Immer wieder rücke die Vitrine als "Museum im Museum" ins Bild, doch habe Höfer auch andere Einrichtungsgegenstände in Museen sowie die Hinter- und Unterwelt eines Museums ins Visier genommen, Werkstätten, Lagerräume, die aus dem Museum, sinniert Ghirardelli, einen Transformationsraum seiner Gegenstände machen: "die Objekte des fremden befinden sich in einem fremden Raum", bringt der Rezensent das Paradox auf den Punkt. Eine Welt für sich, eine Wunderwelt, hält Ghirardelli fest, die es zu entdecken gelte.
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