Carolin Emcke

Von den Kriegen

Briefe an Freunde
Cover: Von den Kriegen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783100170132
Gebunden, 192 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Unterwegs in den Krisengebieten der Welt - wie gehen Menschen mit Krieg und Gewalt um, was verändert sich angesichts des fremden Leids im Berichterstatter, welche Rolle kommt dem Zeugen zu? Carolin Emcke schreibt in ihren Briefen von Orten, die aus dem Blickfeld der Medien geraten sind, obwohl Krieg und Leid dort andauern: vom endlosen Bürgerkrieg in Kolumbien, von der Sklavenarbeit in den Freihandelszonen Nicaraguas, vom Überlebenskampf der Straßenkinder in der Kanalisation von Bukarest, von den serbischen Massakern an Kosovo-Albanern und den Vergeltungsanschlägen an Serben, dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September und den Kriegen in Afghanistan und im Irak.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.12.2004

Nachhaltigen Eindruck hat dieses Buch auf den Rezensenten Ralf Grötker gemacht, in dem die Spiegel-Auslandsredakteurin Carolin Emcke die persönlichen Erfahrungen niedergeschrieben hat, die sie im Laufe ihrer Reisen gemacht hat. Sie berichtet aus dem Kosovo, dem Irak, aus Rumänien, Kolumbien und Afghanistan, von Kriegen, Beerdigungen und dem alltäglichen kleinen Elend, das es nicht in die Nachrichten schafft. Sie erzählt aus einr sehr persönlichen Sicht, und genau das hat den Rezensenten berührt und erstaunt. Denn ihm scheint, als hätten die Medien mit ihren gängigen Formen des Journalismus das "Leiden der anderen" bisher nur dokumentiert, in diesem Buch aber sieht er sie "bezeugt", wie er schreibt. Und so stellt er "nicht ganz ohne Schuldgefühle" für sich fest: "Man hat es sich nicht anders, nein: man hat es sich einfach überhaupt nicht vorgestellt."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.11.2004

Beeindruckend findet Rezensent Martin Bauer die "entwaffnende Offenheit" von diesen nun als Buch veröffentlichen Briefen an Freunde von Carolin Emcke. Darin lasse Emcke, die im Auslandsressort des "Spiegel" tätig ist und als Reporterin die Krisengebiete der Welt bereist, ihre subjektiven Eindrücke und Erfahrungen von den Kriegsschauplätzen im Kosovo, Libanon Irak, in Kolumbien, Pakistan, Afghanistan, in Rumänien und Nicaragua Revue passieren. Zudem frage sie sich, wie von Krieg und Gewalt angemessen zu berichten sei. Bauer hebt hervor, dass sich hier keine der "abgebrühten Zynismen medienwissenschaftlicher Theoriebildung" finden. Im Gegenteil: So ungeschützt und riskant, so skeptisch gegen sich selbst und um möglichst rückhaltlose Aufrichtigkeit bemüht wie Emcke, spreche gewöhnlich niemand über sein Metier. Sie wolle sich und ihren Adressaten Klarheit darüber verschaffen, was gesehen und empfunden, gedacht und geschrieben werden müsse, wenn ein getreues Zeugnis der Gewalt entstehen soll. Diese Frage stehe hinter ihren "befremdenden und berührenden, manchmal impressionistischen, dann wieder streng analytischen, nie larmoyanten und im Kern höchst engagierten Briefen". Entstanden ist, so der Rezensent, ein "welthaltiges wie durchdachtes Buch", eine "Pflichtlektüre nicht nur für alle Zeitungsleser".

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