Carolin Emcke

Was wahr ist

Über Gewalt und Klima
Cover: Was wahr ist
Wallstein Verlag, Göttingen 2024
ISBN 9783835356252
Gebunden, 124 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Wie lässt sich von Gewalt erzählen? Wie lässt sich von Erfahrungen erzählen, die alle moralischen Erwartungen, was Menschen einander antun können, außer Kraft setzen? Mit welcher Behutsamkeit, welcher Diskretion und welcher Empathie muss nach einer Sprache gesucht werden im Kontext von Krieg und Gewalt? Carolin Emcke fragt nach der Ethik des Erzählens trotz allem. Für sie ist die Suche nach dem, was wahr ist, immer eine, die auch die eigene Rolle befragt. Wer über Gewalt und Trauma schreibt, muss auch über das schreiben, was als normativer Kern unangetastet bleibt: die menschliche Würde. Wer schreiberisch über das nachdenkt, was wahr ist, wer dabei vor allem über Gewalt nachdenkt und wie sie Menschen versehrt, muss auch über die Gewalt der Klimakrise sprechen: Welche Rolle spielt faktuales Erzählen beim Erzählen von Klimadiskursen? Für Emcke muss sich die Suche nach der Wahrheit im Angesicht der Klimakatastrophe in verschiedene Richtungen aufmachen. Nach rückwärts: Was ist geschehen und wer ist dafür verantwortlich? Aber auch nach vorwärts: Diese Suche nach der Wahrheit im Kontext der Klimakrise muss auch zeigen, was sein wird, sie muss Möglichkeitsräume öffnen und kartographieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2024

Insgesamt eher unbefriedigend findet Rezensent Tobias Schweitzer, was Carolin Emcke in diesem Band über das Schreiben schreibt. Konkret geht es in den im Rahmen der Wuppertaler Poetikdozentur für faktuales Erzählen entwickelten Texten darum, wie Autoren mit ethisch schwierigen Themen wie beispielsweise Krieg und Gewalt umgehen sollen, lernen wir. Anstatt aber nach ästhetischen Richtlinien für ein solches Schreiben zu suchen, verbleibt die Autorin stets auf der Ebene der Moral, moniert der Kritiker, etwa wenn sie darstellt, wie von Gewalt Betroffenen eine eigene Stimme gegeben werden kann. Noch mehr stört sich der Rezensent an dieser Tendenz, wenn er sich dem zweiten Buchteil zuwendet, das dem Schreiben über Klimaschutzfragen gewidmet ist. Hier wird erst recht nur noch aus pauschal humanistischer Perspektive ethische Dringlichkeit beschworen, ärgert sich Schweitzer, Sprache als formbares Medium hingegen gerate Emcke nicht in den Blick.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.04.2024

Zwei Themen verknüpft dieses Buch, das auf zwei Vorlesungen Carolin Emckes basiert, wobei Rezensentin Sieglinde Geisel nur von einem der beiden Argumentationsstränge überzeugt ist. Und zwar von dem, erläutert sie, der sich der politischen Gewalt wie Kriegen und Folterungen widmet, sowie den Herausforderungen, die sich für die schriftstellerische Beschäftigung mit solchen Themen ergeben. Wenn Emcke versucht, ihre ethische Fragen aufrufende Thesen auf die Problematik des Klimawandels zu übertragen, stößt das Buch laut Geisel jedoch an seine Grenzen. Etwas konstruiert wirkt die Argumentation hier, meint die Rezensentin, und Emckes Plädoyer für eine nicht nur apokalyptische, sondern auch positive Gegenerzählung ist im Klimadiskurs nichts Neues. Wie wir in der Frage weiterkommen, lernt Geisel aus diesem Buch nicht.

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