Celine Minard

Das große Spiel

Roman
Cover: Das große Spiel
Matthes und Seitz, Berlin 2018
ISBN 9783957575265
Gebunden, 192 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer. Eine Hütte an einem Berghang in den Alpen, umgeben von Fels und karger Natur. Hier will eine Frau das Wesen der Einsamkeit erforschen. Sie erlegt sich die Einschränkungen des Alleinseins auf, um seine Freiheiten zu erfahren. Systematisch setzt sie sich mit ihrer Umgebung auseinander: erkundet, vermisst, pflanzt, erntet, trainiert Körper und Geist, trotzt dabei den immer extremeren Wetterverhältnissen. Jedes Mal, wenn die Felsmassen unter dem Donner erzittern, scheint das Ende der Welt ein Stück näher zu rücken - doch noch etwas anderes nähert sich ihr in ihrer Ausgesetztheit. Ein Mensch? Ein Tier? Was oder wer auch immer der Eindringling ist, zwischen den sturmumtosten Gipfeln, ausgesetzt dem rohen Spiel der Elemente, auf einem schmalen Grat zwischen Wahn und Erkenntnis, braut sich etwas zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2018

Rezensent Niklas Bender mag, wie Celine Minard mit unterschiedlichen Genres jongliert. Dass die französische Autorin Western und "rockige Lebensbeichte" kann, habe sie bereits bewiesen, jetzt überzeuge sie auch auf den Spuren Hemingways, lobt der Kritiker, der sich von Minard gern zu einem "locus amoenus" in den Alpen hat mitnehmen lassen. Hier nämlich sucht Minards namenlose Heldin beim Forellenfischen und Bergsteigen die Einsamkeit - bis die Idylle durch einen animalisch tanzenden Mönch gestört wird, der sich bald als primitive, aber äußerst geschickte "buddhistische Meditations- und Saufkünstlerin" entpuppt, wie Bender verrät. Wie Minard ihre Heldin und den Leser durch dieses zwischen "Murmeltier und Nonne" oszillierende Wesen immer wieder aus dem Konzept bringt, dabei Spannung aufbaut und den Erfahrungshorizont sacht erweitert, hat dem Rezensenten gut gefallen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.02.2018

Rezensent Alex Rühle schaut staunend und bewundernd zu Céline Minard auf, wenn von einem radikalen Rückzug auf 2000 Meter Höhe erzählt, wo sich die Erzählerin in aller Einsamkeit die gewaltige Natur aneignet. Rühle feiert geradezu, wie scharfsinnig Minard Abenteuerroman und philosophisches Tagebuch verflicht, dabei mit Horrorelementen nicht spart und die Konfrontation mit der Natur unverfälscht und imposant schildert, ohne jemals einer Romantisierung zu verfallen. An der nüchternen Erzählweise der französischen Schriftstellerin, die von Western bis Sciencefiction alle Genres stilsicher zu beherrschen scheint, erkennt und schätzt Rühle: Hier geht es nicht um das Grübeln über den Sinn des Lebens im asketischen Rückzug, es geht um das Leben selbst. So besticht das Buch mit präzisen und klaren Sätzen, die die eigene Begeisterung der Autorin für das Klettern und die Berge spiegeln: "Jeder Handgriff sitzt, im Text wie im Gelände", hält Rühle überwältigt fest.

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