Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Der sechsjährige Sann verkündet eines Tages jene Berge versetzen zu wollen, die seiner Mutter Tag für Tag im Wege stehen. Natürlich glaubt ihm das niemand, aber Sann arbeitet beharrlich und unverdrossen, bis der Winter kommt. Und als es Frühling wird, arbeitet er weiter. Doch all sein Arbeiten wäre umsonst, wenn ihm nicht, wie in der griechischen Sage, die Mächte des Himmels zu Hilfe kämen: Drei Drachen ergreifen mit ihren Klauen die Berge und tragen sie davon: Mit einem Schlag kehrt Ruhe und Stille ein. Sann hat sein Versprechen eingelöst und gezeigt, dass Anstrengung und Mühe Früchte tragen.
In Chen Jianghongs Bilderbuch "Ich werde Berge versetzen!" beschließt der kleine Sann, die Trübsal seiner Eltern zu lindern, indem er die drei Berge, die ihr Dorf bedrohlich umgeben und von den fruchtbaren Tälern abschneiden, Stein um Stein abträgt, fasst Rezensentin Ariane Beyer zusammen. Sanns Unternehmen wirkt absurd, bis ein alter Einsiedler dem Jungen mit Magie unter die Arme greift, verrät die Rezensentin. Ob man das nun als Lohn der Unbeirrbarkeit begreifen will oder als Schicksal eines kleinen Auserwählten, das möge jeder selbst entscheiden, so die Rezensentin. So oder so: Jianghongs Buch ist faszinierend und großartig, findet Beyer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015
Andreas Platthaus nutzt Chen Jianghongs neues Bilderbuch als Gelegenheit, einmal gegen das Prinzip Verkäuflichkeit auf dem Kinderbuchmarkt wettern. Denn Jianghong bildet für ihn das ultimative Gegenbeispiel. Im Rückgriff auf belehrende Elemente, eine spezifisch chinesische Erzählhaltung, wie Platthaus weiß, sowie chinesische Tuschemalerei und in Kombination mit dem "ureuropäischen" Prinzip des Kinderbuchs gelingt dem Autor laut Platthaus Außergewöhnliches. Von Didaktik möchte der Rezensent allerdings nicht sprechen. Eine Moral scheint ihm die Geschichte um einen Jungen, der für seine Eltern buchstäblich Berge versetzt, allein aus Freude am Erzählen zu entwickeln, und sie ist universell, versichert der Rezensent. Leicht lesen und vorlesen lässt sich das laut Platthaus auch noch.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…