Aus dem Französischen von André Hansen. Gedankenlos klickt Julien Libérat auf einen Link im Netz und lässt den Liebeskummer und sein erbärmliches Vorortzimmer hinter sich. Wie im Rausch stürzt er sich in die fabelhafte "Antiwelt", wo er sich unter dem Namen Vangel neu erfindet und mit seinem Boxergesicht ein stürmisches Leben führt. Adrien Sterner ist der visionäre Entwickler dieses Metaversums, er duldet keine anderen Götter neben sich. Als Vangel zum Superstar wird, sieht er sich zunehmend bedroht und muss handeln. Können wir mit verschiedenen Identitäten leben? Ist es möglich, sich eine eigene Welt zu erbauen?
Nathan Devers entwirft in seinem Roman eine virtuelle Realität namens "Antiwelt", in der sein blasser Protagonist Julien auf seiner Flucht vor den Anforderungen des realen Lebens verschwindet, Rezensent Ismael Berrazouane ist nicht überzeugt. Weder die virtuelle noch die echte Realität sind besonders lebendig ausgestaltet, so dass Berrazouane das Gefühl hat, da habe sich jemand noch nicht besonders viel im Internet aufgehalten. Dazu kommen überaus dichotome Ansichten zur Online- versus Offlinekultur, die darin kulminieren, dass soziale Medien sowieso nur der Verdummung dienten - dieses Buch ist "kein gutes Argument für die Literatur", wenn man analoge und digitale Medien gegenüberstellen möchte, resümiert der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 31.07.2024
Mit Nathan Devers Buch taucht Rezensent Dirk Fuhrig ins Metaversum ein. Der Barpianist Julien erhält Zutritt zu einer "digitalen Scheinwelt", erfunden von dem stark an Mark Zuckerberg erinnernden Franzosen Adrien Sterner und wird durch Zufall über Nacht berühmt, resümiert Fuhrig. Dies geht bis zu dem Punkt, an dem Julien seinen eigenen Tod inszeniert, lesen wir. Einerseits findet Fuhrig das "witzig, überdreht" - auf der anderen Seite baut Devers immer wieder Exkurse in die Literatur- und Geistesgeschichte ein (berühmte Intellektuelle wie Frédéric Beigbeder oder Alain Finkielkraut haben auch Auftritte), was etwas gewollt wirkt. Insgesamt liest Fuhrig eine "kluge Annäherung an die Ambivalenz des Internets", allerdings wirkt das von Andre Hansen ins Deutsche übertragene Buch schon jetzt nach zwei Jahren etwas veraltet, was den Stand der Entwicklung von KI angeht.
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