"Hartz IV" ist europaweit die berühmteste Chiffre für den Abbau sozialer Leistungen und gilt hierzulande als tiefste Zäsur in der Wohlfahrtsstaatsentwicklung nach 1945: Zum ersten Mal wurde damit eine für Millionen Menschen in Deutschland existenziell wichtige Lohnersatzleistung, die Arbeitslosenhilfe, faktisch abgeschafft und durch eine bloße Fürsorgeleistung, das Arbeitslosengeld II, ersetzt. Aber mehr als das: Durch die Agenda 2010 des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, die Hartz-Reformen und besonders das am 1. Januar 2005 in Kraft getretene Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt ist Deutschland zu einer anderen Republik geworden. Denn dieses Gesetzespaket hat nicht bloß das Armutsrisiko von (Langzeit-)Erwerbslosen und ihren Familien spürbar erhöht, sondern auch einschüchternd und disziplinierend auf viele Beschäftigte gewirkt. Ein ausufernder Niedriglohnsektor, der fast ein Viertel aller Beschäftigten umfasste, gehörte ebenso zu den Folgen wie Entdemokratisierungstendenzen und größere soziale Kälte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.03.2015
Sehr dankbar ist Stephan Hebel dem Politologen Christoph Butterwegge für dieses Buch. Auch wenn der Autor einem Götz Aly stilistisch nicht das Wasser reichen kann, vermag er dennoch Alys These von der Anfälligkeit für autoritäre Ideologien durch die Abhängigkeit von sozialstaatlichen Sicherungssystemen zu widerlegen, findet Hebel. Unbedingt lesenswert scheint ihm der materialreiche Band, um zu begreifen, wie Schröders Agenda der Pauperisierung Tür und Tor öffnete. Dass der Autor historisch ausgreift, um sodann die Spuren dieser Prozesse bis heute mit viel Sachverstand und Detailkenntnis zu verfolgen, gefällt Hebel. Vorschläge gegen den Sozialabbau soll der Leser allerdings nicht erwarten, das Buch ist mehr eine Materialsammlung zum Thema, erklärt Hebel.
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