Die Regierungsbank? Oft hat man sie in den Nachrichten gesehen, sie gehört zum politischen Inventar. Dennoch sollten wir uns hüten, in ihr nichts weiter als belangloses Funktionsmobiliar zu sehen. An der deutschen Regierungsbank lässt sich vielmehr ablesen, wie sehr Prägungen aus der langen Epoche der Monarchie noch hundert Jahre nach deren Untergang in unserer Demokratie nachwirken. In seiner Studie über die Regierungsbank präsentiert Christoph Schönberger eine ebenso ungewöhnliche wie erhellende Perspektive auf die zentrale Institution unserer Demokratie. Er untersucht, wie verschieden parlamentarische Plenarsäle ihre Regierung in Szene setzen und so jeweils ein besonderes Verständnis von Demokratie ausdrücken: Ob die Regierungsvertreter in die vorderen Abgeordnetenreihen integriert sind (wie in Großbritannien und Frankreich), ob man sie von den Parlamentariern absondert (wie in Deutschland) oder gleich ganz aus dem Plenarsaal verbannt (wie in den USA); ob die ganze Saalarchitektur autoritär auf eine erhöhte Regierungsbank ausgerichtet wird (wie in China) oder die Regierung sich mitten in der Kampfarena der parlamentarischen Debatte wiederfindet (wie in Italien): In ihrer räumlichen Vielfalt erzählen die Plenarsäle eigenwillige Geschichten, denen Schönbergers Buch gewidmet ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2023
Rezensentin Isabell Trommer lässt sich anregen von Christoph Schönbergers Studie über die Sitzordnungen der Macht. Schönbergers komparatistische Arbeit beginnt laut Trommer mit einem Vergleich parlamentarischer Sitzordnungen in London, Paris Washington und Berlin und mündet in einen genauen, kritischen Blick auf die Entwicklung in der BRD, vom Bonner Bundeshaus über den Behnisch Bau bis zum "interaktionsfeindlichen" Plenarsaal in Berlin. Besonders aufschlussreich findet die Rezensentin die Darlegung der historischen Veränderungen der Abgeordnetenplätze und Sitzordnungen im Ländervergleich. Die Quellenbasis des Buches und sein Anekdotenreichtum scheinen ihr immens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2022
Der hier rezensierende Politikwissenschaftler Phillip Manow hat den ein oder anderen Einwand gegen die Deutungen und Wertungen, zu denen Christoph Schönberger in seinem Buch über Parlamentsarchitekturen gelangt. Wie sich Sitzordnungen oder die Symbolik von Lehnen, Baldachinen und Sesseln in England, den USA, Deutschland und Frankreich unterscheiden oder eben nicht, vermittelt der Autor laut Manow dennoch quellensatt und analytisch versiert. Wenn Schönberger aber die "aristrokratische Symbolik" in Westminster in den Blick nimmt, relativiert er für den Rezensenten doch allzu stark.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.09.2022
Rezensent Hans von Trotha wundert sich über die Ergebnisse, die der Jurist Christoph Schönberger in seinem Buch vorstellt. Schönberger zeigt, untersucht und vergleicht die architektonische Struktur parlamentarischer Plenarsäle, allen voran des deutschen im Bundestag. Was er dabei zutage fördert, etwa eine Struktur gewordene Erinnerung an den kaiserlichen Thron von 1871, erscheint dem Rezensenten verblüffend, weil so noch nicht gesehen. Dass der Band darüber hinaus gut recherchiert, gedacht und geschrieben ist, macht die Lektüre für Trotha doppelt so schön.
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