Christophe Dufosse

Letzte Stunde

Roman
Cover: Letzte Stunde
DuMont Verlag, Köln 2003
ISBN 9783832178420
Gebunden, 346 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Eine Schule in der französischen Provinz: Ein junger Lehrer stürzt sich aus dem Fenster seines Klassenzimmers in den Tod. Als sein Nachfolger Pierre Hoffman Kontakt mit seiner neuen Klasse aufnimmt, entdeckt er ein rätselhaft zusammengeschweißtes Schülerkollektiv, Heranwachsende voller Feindseligkeit und dumpfer Gewalt. An pubertäre Aufsässigkeit glaubt Hoffman nur solange, bis er von einem jungen Schüler, der ihn warnen will, mit einem Messer verletzt wird, bis er eine Videokassette rätselhaften Inhalts in den Händen hält. Aber die gesamte Schule scheint die Situation herunterspielen zu wollen. So scharf blickend wie gelähmt nimmt Hoffman an der Ausführung eines bedrohlichen Planes teil: der tadellosen Inszenierung eines Abschieds dieser Schüler von der Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2004

In vielen Details geglückt, im Gesamten aber misslungen findet Rezensent Niklas Bender den Debütroman von Christophe Dufosse, der aufgrund seines "schier vor Aktualität berstenden" Themas - Bender zieht Parallelen zu "Herr der Fliegen" und "Die Welle" -prinzipiell "unter die Haut gehen könnte". Das passiert aber nicht, beklagt unser enttäuschter Rezensent. Er begründet dies damit, dass Dufosse sich zu sehr in Einzelheiten und "aufgepfropften" Abstrakta verliere, Szenen wie Figuren nicht zueinander kommen lasse. Zwar vermochte der Autor eine düstere Atmosphäre "von Einsamkeit, menschlicher Schwäche, Provinz und trister Urbanität" und die Spannung einer schwebenden Drohung heraufbeschwören. Die damit geweckten Erwartungen aber erfülle der Roman nicht, bedauert Bender: "In der unheilschwangeren Atmosphäre liegt das Versprechen eines versteckten Zusammenhangs in der Luft, das dann aber nicht eingelöst wird, schon gar nicht vom Romanschluss, der banal und vollends enttäuschend ist." So sieht unser Rezensent in dem "drastisch" einsteigenden Roman das Thema "juvenile Regression und Kollektivitätszwang" durchaus spannend angelegt, jedoch nicht "kohärent" oder "faszinierend" genug entfaltet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.01.2004

Rezensent Christoph Schröder kann kaum fassen, dass Christophe Dufosse eine derart interessante Figur wie den scharfsinnigen und rücksichtslos analytischen Provinzlehrer Pierre Hoffmann - und seinen Roman dennoch "so frontal an die Wand fahren kann". Nach einem guten Einstieg wusste der Rezensent bald nicht mehr, was er vor sich hatte: einen pädagogischen Psychothriller, eine Anklage auf das marode Schulsystem oder den gescheiterten Versuch eines philosophischen Roman. Für Letzteres sprechen ein "verschwiemelter, geheimnisvoll raunender Duktus" und die altkluge Rede der ansonsten eher gewalttätigen Schüler, die der Rezensent vorgefunden haben will. Arg gestört hat er sich auch an einem Showdown von hohem Peinlichkeitsgrad, so dass als Hausaufgabe nur bleibt herauszufinden, wie dieser Roman als bestes Debüt des Jahres 2002 ausgezeichnet werden konnte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.12.2003

Einen unverfälschten Blick auf das "komplizierte Thema" Schule verspricht uns Andreas Dorschel in seiner kurzen Besprechung des Romandebüts von Christophe Dufosse. Der Autor, selbst Lehrer, erzähle seine Schulgeschichte aus der Perspektive eines Lehrers als Thriller, der mit Bedacht und "ohne Umschweife" zu Werke geht und ohne uns mit pädagogisierenden Rechthabereien zu belästigen, lobt der Rezensent die Gradlinigkeit des Autors. Man begreife nach der Lektüre, warum so oft von Gewalt die Rede ist, wenn von Schule gesprochen wird, urteilt Dorschel abschließend.

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