Clara Heinrich

Pusztagold

Cover: Pusztagold
aki Verlag, Zürich 2025
ISBN 9783311350217
Gebunden, 288 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Sie ist vor einiger Zeit zurückgekehrt, zurück an den Ort ihrer Kindheit, ganz im Osten von Österreich, wenige Kilometer vor der ungarischen Grenze. Hier ist sie aufgewachsen, zwischen Marillenbäumen und Reben, hier ist die Sprache rau und kantig, das hat ihr als Kind nie behagt. Die Landschaft hier heißt Puszta, was Einöde, Wüste, unfruchtbares, brachliegendes Land bedeutet. Bevor sie zurückkam, hat sie in Berlin gelebt, gemeinsam mit ihrem Partner A. Als A. schwer an ME/CFS erkrankte, war er mehr und mehr auf ihre Fürsorge angewiesen, sie pflegte ihn rund um die Uhr. Als es nicht mehr ging, zogen sie zusammen zurück ins Dorf ihrer Kindheit. Als Zurückgekehrte lernt sie die Großeltern noch einmal neu kennen, entdeckt liebevolle Zugewandtheit zwischen den Rebzeilen und die Artenvielfalt in der vermeintlichen Einöde. Sie beobachtet, sammelt, pflanzt an, setzt aus, kultiviert und verbindet sich. Sie pflanzt einen Wald in die Brache, hofft auf die Würmer und denkt: Jetzt ist eine gute Zeit für Lyrik.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 06.01.2026

Rezensent Tino Schlench zeigt sich sehr überzeugt von diesem experimentellen Debütroman der österreichischen Autorin. Formal stehe er irgendwo zwischen Autofiktion, Nature Writing und "poetischem Essay" und orientiere sich an Heinrichs Leben als Tochter einer bekannten Winzerfamilie, die sich um die Instandhaltung und Pflege eines großen Marktgartens kümmere. Die Autorin ergründet das Verhältnis zwischen Mensch und Natur in einer sorgfältig zusammengesetzten Collage aus Theorie- und Literaturzitaten, lobt der Kritiker und muss dabei an die Texte von Dorothee Elmiger denken. Überlegungen über die Zeitlichkeit und Räumlichkeit von Landschaften wechseln sich mit Fragen über die politische Tragkraft von Care-Arbeit ab, wobei der Text laut Schlench dort stolpert und in seinen Zitaten forciert wirkt, wo seine Suchbewegung den Heimatort der Protagonistin verlässt. Er fängt sich jedoch wieder, wenn der Partner der Protagonistin erkrankt und sie gezwungen ist, ihre bisher bloß theoretische Beschäftigung mit Care-Arbeit in die Praxis umzusetzen, jubelt der Rezensent über den dadurch vollzogenen Übergang in gekonntes, konventionelleres Erzählen.

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