Vinegar Hill
Gedichte. Edition Lyrik Kabinett

Edition Lyrik Kabinett, München 2025
ISBN
9783446282544
Gebunden, 128 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Volker Schlöndorff und Michael Krüger. Colm Tóibín blickt zurück auf seine Kindheit im irischen Enniscorthy, durchstreift die Straßen von Dublin und Barcelona, überquert venezianische Brücken und besucht das Weiße Haus. Und er widmet sich Themen wie Sterblichkeit, Religion und queerer Liebe. Die in "Vinegar Hill" versammelten Gedichte sind nun erstmals in der Übersetzung von Michael Krüger und Volker Schlöndorff zu lesen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 11.07.2025
Ein "Alterswerk ohne Larmoyanz" ist Colm Tóibíns erster Gedichtband für den Rezensenten Leander Berger: Viele der Gedichte sind während der Covid-Pandemie entstanden, als auch Tóibín Zeit zum Reflektieren hatte: Sie handeln oftmals von verschwundenen Orten in Irland, etwa dem Haus in der Dubliner Eccles Street, in dem die Familie Bloom aus James Joyces "Ulysees" lebt. Berger bewundert die Mischung aus "Untröstlichkeit und Galgenhumor", mit der Tóibín Verluste beschreibt: "Schau, so lange du willst,der Mond ist Vergangenheit", zitiert er. Darüber hinaus werden uch der irische Katholizismus und die Befreiungskämpfe gegen England auf dem "Vinegar Hill" thematisiert, erfahren wir. Und die Gedichte über das Leben im schwulen Dublin sind für den Kritiker schlicht "Meisterwerke der Großstadtlyrik".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2025
Colm Tóibin war den meisten bisher wohl als einer der großen irischen Romanautoren und Essayisten bekannt. In "Vinegar Hill" führt er seine Chronik der Gegenwart nun in lyrischer Form fort, oder sollte man sagen episch? "Mikrogeschichten, ganze Epen" - so beschreibt Rezensent Paul Jandl das, was Tóibin hier auf kleinstem Raum entfaltet - Geschichten, lesen wir, voller Sarkasmus, voller Schönheit und subtilem Humor, die von den Bedeutungen scheinbarer Marginalien handeln. Nüchtern und mit Feingefühl, gleich einem Archäologen, dessen Werkzeug Worte sind, arbeitet Tóibin jene Details des Alltags heraus, die so leicht unter all denn großen Ereignissen der Zeitgeschichte verschüttet werden, er erzählt vom Sterben, von Krankheit, von Dublin in der Corona-Zeit, auch von seinen Erfahrungen als homosexueller Mann in dieser Stadt. Mit diesem Band beweist Tóibin, dass er nicht nur ein großer Romancier ist, sondern auch ein großartiger Elegiker, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025
Der Titel von Colm Toibins erstem Lyrikband stammt vom Ort einer der berühmtesten Schlachten im langen Kampf um die irische Unabhängigkeit, dem "Vinegar Hill", den der Autor als Kind von zuhause quasi überblicken konnte, verrät Rezensent Alexandru Bulucz. Übersetzt von Michael Krüger und Volker Schlöndorff gehe es aber nicht nur um irische Geschichte, denn "der Hügel steht darüber,/widerständig, unergründlich, heiter", eine Beschreibung, die auch programmatisch für den Band zu verstehen sei. Bulucz liest von einer "postkatastrophischen" Welt, in der die Pandemie ebenso hinter dem lyrischen Ich liegt wie eine Krebserkrankung, aber auch die abenteuerliche Zeit, als Schwulsein noch Rebellion bedeutete. Als einzige Kritik fügt der Rezensent an, dass nicht alle Gedichte des Originalbandes übersetzt wurden, was schade ist und zudem die Poetologie Toibins verschleiert.