Suizid ist ein anthropologisches Phänomen, mit dessen ethischer Bewertung sich die Menschheit in allen Zeiten auseinandersetzte. Die Spätantike gilt im allgemeinen als eine Wendezeit, in der die christliche Ablehnung der Selbsttötung eine gegenüber der klassischen Antike veränderte Haltung hervorbrachte, die besonders deutlich von Aurelius Augustinus (354-430) formuliert wurde. Neben der Einordnung der augustinischen Suizidtheorie in den Kontext ihrer Zeit und der Gegenüberstellung anderer spätantiker Meinungen liegt der Schwerpunkt der Studie vor allem auf der literarischen Darstellung von Suizid: Zahlreiche Suizidschilderungen aus der lateinischen Literatur des 4. und 5. Jhs. werden vorgestellt und veranschaulichen ein überraschend heterogenes Bild, das in weiten Teilen den Vorstellungen der klassischen Antike näher steht, als dass es auf die Stigmatisierung der Selbsttötung im Mittelalter und in der Neuzeit vorausweist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2008
Erhellend findet Hartwin Brandt diese umfangreiche Studie über den "Suizid in der Spätantike" von Dagmar Hofmann. Er bescheinigt der Autorin, das Vorurteil zu widerlegen, das Christentum in der Spätantike habe der bis dahin tolerierten, wenn nicht glorifizierten Praxis der Selbstötung ein Ende gesetzt. So zeige sie etwa auf, dass die rigorose Verurteilung des Suuizids durch Augustinus eine Ausnahme war. Den großen Verdienst Hofmanns sieht Brandt im Nachweis einer prinzipiellen Kontinuität zwischen klassisch-heidnischer und christlicher Spätantike beim Umgang mit dem Thema Suizid. In diesem Zusammenhang hebt er ihre Ausführungen zur Frage hervor, ob Christen, die freiwillig in den Tod gingen oder diesen provozierten, als Märtyrer oder Selbstmörder galten, eine Frage, mit der sich die spätantiken Kirchenväter, die sich der fließenden Grenzen zwischen Suizid und Märtyrertum bewusst waren, überaus schwer taten.
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