George Prochnik

Das unmögliche Exil

Stefan Zweig am Ende der Welt
Cover: Das unmögliche Exil
C.H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406697562
Gebunden, 397 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Um 1930 war Stefan Zweig zum weltweit meistübersetzten lebenden Schriftsteller avanciert. Doch dieser Erfolg des 1881 geborenen Wieners wurde schon bald überschattet vom Machtantritt Hitlers. Der Kosmopolit verließ den alten Kontinent und ließ sich 1941 in dem von ihm als "Land der Zukunft" gepriesenen Brasilien nieder. "Endlich ein Ruhepunkt", hoffte er nach seiner Ankunft in der tropischen Stadt Petrópolis. Ein halbes Jahr später, am 23. Februar 1942, schieden er und seine junge Frau Lotte "aus freiem Willen und mit klaren Sinnen" aus dem Leben. Am Tag, da er seinen Pass verlor, im Alter von 58 Jahren, habe er entdeckt, bekannte Stefan Zweig, "dass man mit seiner Heimat mehr verliert als einen Fleck umgrenzter Erde". Ausgerechnet diesem in Wien geborenen Weltbürger entglitt im Exil zunehmend das Leben. Höchst einfühlsam erzählt George Prochnik, selbst Nachfahre von Wiener Emigranten, diese tragische Geschichte eines Aufbruchs in die neue Welt, der von England über die USA nach Brasilien führt. Zugleich macht er sichtbar, welche Abgründe die geistige Welt des alten Europa, die Zweig in seinen nachgelassenen Erinnerungen so grandios heraufbeschworen hat,  von der Nord- und Südamerikas trennten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.02.2017

Stephan Wackwitz erkennt in Stefan Zweig einen Zeitgenossen mit George Prochniks Biografie des vermeintlich erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellers und Salonlöwens des frühen 20. Jahrhunderts. Wie der Autor Zweigs Leben von dessen Ende, dem Suizid im Exil, her beschreibt, gefällt dem Rezensenten gut. Prochnik analysiert Zweigs Orte Wien, New York, London, Rio wie auch seine Ehen, seine Höhen und Tiefen und sein moralisch-politisches Pathos laut Wackwitz mit soziologischer und psychologischer Genauigkeit. Prochniks klare, emphatische Sprache scheint dem Rezensenten ebenfalls bemerkenswert.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 21.01.2017

In den Vereinigten Staaten längst ein Erfolg ist die von dem Journalisten und Schriftsteller Georg Prochnik verfasste Biografie Stefan Zweigs nun auch hierzulande erschienen, freut sich Rezensent Wolfgang Schneider. Im Gegensatz zur eher "trockenen" Zweig-Standard-Biografie von Oliver Matuschek steckt Prochniks Buch voller Leidenschaft, lässt an seinen Sympathien für Zweig keinen Zweifel und ist äußerst flüssig zu lesen, fährt der Kritiker fort. So erfährt er in diesem Werk, das sich auf zentrale Motive in Stefan Zweigs Leben konzentriert, wie fremd sich der Autor im eigenen Körper fühlte, wie sehr er im Exil, vor allem in New York und unter der dortigen "oberflächlichen Populärkultur" litt und wie sich seine Depressionen in Brasilien schließlich bis zum Selbstmord verstärkten. Dass Prochnik allgemeine Ausführungen über das Leben im Exil einflicht und dabei auch seine eigene Familiengeschichte als Nachfahre Wiener Emigranten reflektiert, hat dem Rezensenten gut gefallen.

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