Dana von Suffrin

Otto

Roman
Cover: Otto
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2019
ISBN 9783462052572
Gebunden, 240 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Zwei Schwestern - und ein Vater, der mehr als genug ist für eine Familie. In ihrem Romandebüt erzählt Dana von Suffrin, was es heißt, wenn ein starrköpfiger jüdischer Familienpatriarch zum Pflegefall wird. Und wie schwer es fällt, von einem Menschen Abschied zu nehmen, den man sein ganzes Leben eigentlich loswerden wollte. Für sein Umfeld war Otto, der pensionierte Ingenieur, schon immer eine Heimsuchung. Aber als er aus dem Krankenhaus zurückkehrt, ist alles noch viel schlimmer. Nach wie vor ist er aufbrausend, manipulativ, distanzlos und von wahnwitzigen Einfällen beseelt - aber jetzt ist er auch noch pflegebedürftig. Seinen erwachsenen Töchtern macht er unmissverständlich klar: Ich verlange, dass ihr für mich da seid. Und zwar immer! Für Timna und Babi beginnt ein Jahr voller unerwarteter Herausforderungen, aber auch der Begegnung mit der eigenen Vergangenheit und Familiengeschichte, die so schräg ist, dass Außenstehende nur den Kopf schütteln können.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.11.2019

Christoph Haacker sieht in Dana von Suffrins Roman den Blick der Nachkommen auf die vom Holocaust traumatisierte Elterngeneration, liebevoll und witzig, aber nicht seicht. Es geht nicht um den Holocaust, erklärt, Haacker, sondern um das Leben als Juden nach der Schoah - in Haifa und wieder in Deutschland, um das Leben der überlebenden Elterngeneration und ihrer Kinder. Haacker stellt das Buch in die Tradition von Einwanderer- und Vaterbüchern von John Fantes, Henryk Grynberg und Sergej Dovlatov. Dass es in ihnen um Krankheit und Sterben, Überleben und Abschied geht, könnte der Leser angesichts der Komik fast vergessen, so Haacker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.09.2019

Rezensent Florian Leclerc erkennt in Dana von Suffrins Roman ein Mosaik der Erinnerung und eine zwar nicht exakte, aber sehr persönliche und ergreifende Vater-Biografie. Wie die Autorin in ihrem Debüt eine promovierte Philosophin und ihren schwer von der Geschichte mitgenommenen Vater, einen Siebenbürger Juden, aber ohne KZ-Erfahrung, einen Familientyrann und nunmehr alten Knacker aufeinandertreffen, wie sie den alten Mann durch die Feder der Tochter Familiengeschichte schreiben lässt, findet Leclerc lesenswert. Elegant scheint ihm das Aufeinandertreffen von satzweisem Promenieren (des Vaters) und lakonischer Erzählweise (der Tochter). Das Resultat laut Rezensent: eine reizvolle, wenngleich nicht immer ganz verlässliche Zeitzeugenbiografie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2019

Rezensent Elmar Schenkel erfreut sich an Dana von Suffrins Vater-Figur und ihrer Hassliebe zu den Deutschen. Dieser Otto, Siebenbürger Jude, Soldat in Israel, dann im Ruhrpott und in München zu Hause unter Nazi-Ampeln und Nazi-Autos, hat es ihm angetan mit seinem gebeutelten Leben. Eine reizvolle Familiengeschichte auf den Spuren des 21. Jahrhunderts und mit der ganzen menschlichen Unreife, den Narben, Alpträumen und dem Geschimpfe und Gerede, das die Geschichte provoziert, findet Schenkel. Dass daraus überhaupt ein Roman wird, erscheint ihm fast als Wunder.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.08.2019

Rezensent Felix Stephan traf Dana von Suffrin für seinen Artikel zum Gespräch und entlockte ihr Aussagen über die Einflüsse auf ihre Prosa: Bashevis Singer und die Sweatshop-Poeten. Den Roman über einen Siebenbürger Juden und seine Töchter versteht er so schon viel besser. Überzeugend findet er nicht nur die an die jiddische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts erinnernde Sprache, die bei Suffrin nur viel weiblicher klingt, wie er meint (was immer das genau bedeutet), sondern auch den Ansatz, historisch bedingte Lücken (die Autorin ist Historikerin) literarisch zu schließen. Dass Suffrins Roman weder Plot noch Entwicklung aufweist, findet Stephan nicht weiter schlimm. Eintauchend, sich treiben lassend, wie die Erinnerungen der Ich-Erzählerin, empfindet der Rezensent nicht nur Lust am Text, er spürt auch die "intelligente Indiskretion" der Autorin beim lust- und humorvollen Umgang mit der jüdischen Geschichte.

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