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Literatur
Rivka GalchenJeder weiß, dass deine Mutter eine Hexe istRoman
Rowohlt Verlag. 320 Seiten. 24 Euro
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Im Juni
dachte die amerikanische Autorin Rivka Galchen im
New Yorker angesichts von Krieg, Klimawandel oder KI darüber nach, ob wir dem Untergang geweiht sind - und vor allem, wie wir den Krisen trotzen können. Ein Beispiel kann man sich vielleicht an
Katharina Kepler nehmen, der Mutter des Astronomen Johannes Kepler, die im 17. Jahrhundert in Folge eines langen
Hexenprozesses für vierzehn Monate eingesperrt worden war - und sich trotz Androhung von Folter einem Bekenntnis widersetzte. Ihr hat Galchen ihren neuen Roman gewidmet, und die Kritiker sind erstaunt, wie aktuell die Geschichte erscheint: Auf Julia Voss (
FAS) wirkt das württembergische Städtchen Leonberg im Jahr 1615 während der sogenannten kleinen Eiszeit seltsam vertraut: So nahbar schildert Galchen die
abergläubischen Wünsche und Rituale der Bewohner, dass die Rezensentin Parallelen zur heutigen, oft von Misstrauen geprägten Gesellschaft erkennt. Ein sorgsam übersetztes Buch, das lange nachhallt, schließt sie. Ähnlich urteilt
Zeit-Literaturchef Adam Soboczynski: Galchen sei ein "multiperspektivisches
Kammerstück" geglückt, in dem nicht nur Zeitzeugen zu Wort kommen und Verhöre wiedergegeben sind, sondern auch Analogien zur Gegenwart deutlich werden: Der Glaube an
Verschwörungstheorien und Fake-News scheint ein überzeitliches menschliches Bedürfnis zu sein, lernt der Rezensent.
Ingo SchulzeZu Gast im WestenAufzeichnungen aus dem Ruhrgebiet
Wallstein Verlag. 344 Seiten. 24 Euro
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Während West und Ost über den Osten diskutieren, hat sich der in Dresden geborene Schriftsteller Ingo Schulze im tiefsten Westen einquartiert, in
Mühlheim im Ruhrgebiet, wo er von Oktober 2022 bis März 2023 als Stadtschreiber lebte. Schulze traf sich mit den verschiedensten Menschen, plauderte mit einem früheren DDR-Flüchtling, der dann Kohlearbeiter im Ruhrgebiet wurde, oder mit einem Polizeipräsidenten a. D., der das Wort "Clankriminalität" nicht mehr aussprechen wollte, und verfasst
Reportagen über Themen, die das Ruhrgebiet prägen,
von Migration bis Fußball. Den
FAZ-Rezensenten Andreas Rossmann überzeugt das Buch einerseits durch Schulzes offenherzige Herangehensweise, andererseits durch die Vielfalt nicht nur der Inhalte, sondern auch der literarischen Formen - enthalten sind auch
essayistische Texte, etwa eine Theaterkritik. Eine wunderbare
Liebeserklärung ans Ruhrgebiet liest
Dlf-Kritiker Oliver Jungen, der in Schulzes Schilderungen auch einige Parallelen zwischen dem Osten und dem Ruhrgebiet erkennt. Und den ehrlichen Reportagetonfall schätzt er auch. Für
FR-Kritikerin Cornelia Geißler ist das fein komponierte, kluge Buch eine "
Bereicherung der deutsch-deutschen Erzählungen". Und in der
SZ verdankt Sonja Zekri Schulze einen eigensinnigen Blick auf eine von industrieller Ausbeutung der Natur geprägte Gegend.
Daisy HildyardNotstandRoman
Suhrkamp Verlag. 237 Seiten. 25 Euro
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Ein ganz besonderes Buch empfehlen uns die Kritikerinnen mit diesem Roman der britischen Schriftstellerin Daisy Hildyard. Hildyard ist Wissenschaftshistorikerin und die Tochter einers bekannten Ökologen, entsprechend detailreich fallen die Beobachtungen ihrer Umwelt aus, staunt Nico Bleutge in der
SZ: Die Geschichte um eine Frau, die während des
Lockdowns in ihrer Wohnung sitzt, sich an ihre Kindheit im Yorkshire der Neunziger erinnert und ihre Gedanken immer weiter schweifen lässt. Bleutge bewundert die "Verknüpfungskraft der Assoziation" bei Hilyard ebenso wie ihr "soziologisches Gespür": Kabelbündel werden so sorgfältig geschildert wie
Pilzkolonien oder der örtliche Steinbruch, dessen Übernahme durch ein kanadisches Konsortium die Arbeitsrealität vieler Menschen vor Ort verändert. Und wie Esther Kinsky die verschachtelten Sätze der Autorin ins Deutsche übertragen hat, findet Bleutge schlicht brillant. Auch die
NZZ-Kritikerin Stephanie Caminada empfiehlt den Roman, der sie lehrt, dass die Klimakrise fast zum "vertrauten Hintergrundgeräusch" geworden ist. Hymnisch
bespricht auch Sarah Moss im
Guardian diesen "langsamen, zarten" Roman, auf dessen kühle und wunderbar eindringliche Stimme sie sich gern einlässt.
Dénes KrusovszkyDas Land der JungenErzählungen
Die Andere Bibliothek. 264 Seiten. 48 Euro
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Dieser Büchersommer überzeugt nicht zuletzt durch Kurzgeschichten und Erzählungen, von
Sasa Stanisic oder
T.C. Boyle etwa. Wir haben deshalb eine
Liste mit Empfehlungen bei Eichendorff21 zusammengestellt. Besonders aufmerksam machen wollen wir aber auf diesen Band von Dénes Krusovszky, für
Dlf-Kritker Oliver Pfohlmann nicht weniger als der "
ungarische Jonathan Franzen". Krusovszky hinterfragt in seinen neun Erzählungen Vorstellungen von
Männlichkeit, resümiert Thomas Hummitzsch in der
taz: Da geht es beispielsweise um einen Familienvater, der trotz Jobverlust und Alkoholismus Frau und Kinder halten will und sein Schicksal in einem Zirkus findet, vor den Augen seines Jüngsten. Oder um einen Hipster, der es in einer Hundestation in Manhattan nicht fertig bringt, einen Wurf Kätzchen zu verkaufen. All das findet bei Krusovszky jenseits identitätspolitischer Diskurse statt, stattdessen bestechen die Geschichten durch Ambivalenz, betont Hummitzsch. Immer geht es um "Momente des existenziellen Bruchs", weiß Pfohlmann im
Dlf. In der SZ lobt Lothar Müller vor allem, dass Krusovszky auf Effekthascherei sowie scnwere "letzte Sätze" verzichtet und dafür differenziert die "
Risikozonen" im Leben der Figuren ausmisst. Viel Lob gibt es auch für Terezia Moras Übersetzung.
Dana von SuffrinNochmal von vorneRoman
Kiepenheuer und Witsch Verlag. 240 Seiten. 23 Euro
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Als vor fünf Jahren Dana von Suffrins Debütroman
"Otto" (
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Siebenbürgen, der Familienvater ist allerdings im heutigen Rumänien verstorben. Um die Formalitäten kümmern sich in Abwesenheit der mit Selbstfindungsziel nach Thailand gereisten Mutter die Tochter und Ich-Erzählerin Rosa sowie ihre Schwester Nadja. Die beiden sind sich allerdings so wenig grün wie es ihre Eltern einst waren, mehr darüber erfahren wir aus Rosas Rückblicken auf Kindheit und die komplizierten Familienbeziehungen.
Dlf-Kritiker Jan Drees blickt bei der Lektüre durch ein "
Kaleidoskop"
der Neurosen, das München der Achtziger schimmert ebenso durch wie die Besuche bei der Großmutter in Israel. Er bewundert nicht nur, wie Suffrin die Vergangenheit in einzelnen Episoden immer wieder umkreist, vor allem besticht ihn das ironisch-witzige Spiel mit vermeintlichen Identitäten. Und wenn Suffrins "
Woody-
Allen-
Figuren" Familiendramen durchleben, sieht Drees sie gar in der Tradition des großen
jüdisch-
amerikanischen Romans. Dass es die Suffrins eigene Geschichte ist, die hier verarbeitet wird, erfahren wir aus Katharina Teutschs
FAZ-Kritik: Sie beeindruckt besonders, wie die Autorin den weltgeschichtlichen Hintergrund der Handlung, insbesondere das Schicksal der in Nordsiebenbürgen lebenden Juden, mit der privaten Ebene einer komplizierten Kindheit und Jugend in Vororten Münchens verbindet.
Sachbuch
Steffen MauUngleich vereintWarum der Osten anders bleibt
Suhrkamp Verlag. 168 Seiten. 18 Euro
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Kaum eine Zeitung, die in den vergangenen Wochen nicht ein großes Interview mit dem Soziologen Steffen Mau geführt hat. Mau, so versprechen uns Kritiker und Klappentext, bemüht sich um Verständnis in der erhitzten Ost-West-Debatte, indem er für die
Anerkennung der Differenzen plädiert. Danach klingt es zwar zunächst nicht, wenn er im
Spon-Interview Ostdeutschland als "Land der kleinen Leute" beschreibt, das unter "dramatischer Elitenschwäche" leide. (
Unser Resümee) Aber im Buch rät Mau dazu, mal über den Tellerrand tagesaktueller Diskurse zu blicken und nach den Gründen für die "bleibenden Unterschiede" zu suchen - , und hier besticht das Buch laut
FAS-Kritiker Tobias Rüther. Unter anderem geht es bei Mau um die Art und Weise, wie in der Literatur inzwischen ein innerostdeutscher Dialog über den Blick auf die DDR entstand, wobei der Westen als mitgedachtes Publikum stets präsent ist. Jüngstes Beispiel ist hier sicher die für ihren Roman
"Kairos" (
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taz vorwarf, sie verbreite Ostkitsch. (
Unsere Resümees) Geradezu "gierig" liest
SZ-Kritiker Cornelius Pollmer das Buch, das zwar viele bekannte Fakten überzeugend collagiert, aber anders als etwa Dirk Oschmann auch Versäumnisse und Fehler der Ostdeutschen benennt und analysiert, weshalb sich ein "eigenständiger Kultur- und
Deutungsraum Ostdeutschland" herausgebildet hat. Aufschlussreich findet Pollmer, was er bei Mau über Parteienbildung, Aufarbeitungsprozesse und Fehler hüben wie drüben liest. Und wenn Mau der Tatsache dem erstarkenden Rechtspopulismus durch die Einrichtung von Bürgerräten entgegenwirken will, schöpft Tobias Rüther in der
FAS Hoffnung: Wenn die dann eines Tages auch in Westdeutschland eingeführt werden, dann hat der Osten auch die gesamtdeutsche Einheit vorangebracht. Der
Freitag hat ein ganzes
Dossier mit Gesprächen mit Steffen Mau zusammengestellt.
Alberto GrandiMythos NationalgerichtDie erfundenen Traditionen der italienischen Küche
Harpers Collins. 256 Seiten. 22 Euro
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Wenn ein Buch einen Kritiker so wütend macht wie dieses Buch des italienischen Wirtschaftshistorikers Alberto Grandi den
FAZ-Rezensenten Jakob Strobel y Serra, ist es schon allein deshalb die Lektüre wert. Es ist aber auch eine mutige These, die Grandi da formuliert: Die italienische Küche sei eine Erfindung der modernen Marketingbranche.
Pizza,
Pasta,
Parmesan - alles nur auf Marketingstrategien der Lebensmitteindustrie in den Siebzigern zurückzuführen, die angeblich uralte Herkunft sei schlicht erfunden. Da kochten die Italiener, als das Buch 2018 im Original erschien. Strobel y Serra wirft dem Autor hanebüchene Strohmann-Argumente vor - und schimpft: "Warum verschließt er wie ein trotziges Kind die Augen vor der Wirklichkeit, wenn er den Wert geschützter Herkunftsbezeichnungen in Zweifel zieht?" Weder scheint Grandi den Sinn hinter den strengen Reglementierungen italienischer Lebensmittel zu kennen, noch sein Sujet historisch einordnen zu können. Andere Kritiker sind nicht nur gnädiger, sondern geradezu begeistert: In der
SZ lernt Franz Kotteder von Grandi, dass viele Gerichte im Mittelalter, wenn überhaupt,
nur den Adligen zugänglich waren, das normale Volk also nie von diesen Gerichten gehört hatte. Und sehr unterhaltsam geschrieben ist es auch noch, versichert er. Im
Dlf Kultur stimmt Catherine Newmark dem gerne zu: Mit seinem sozialgeschichtlichen Ansatz zeige Grandi, wie viel mehr die Vorstellung einer homogenen italienischen Küche mit Industrialisierung, Massenproduktion und touristischen Vermarktungsstrategien zu tun hat als mit historischen Kontinuitäten. Nun bemühe sich die
Regierung Meloni die junge italienische Küche als immaterielles Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. Umso mehr schätzt also die Rezensentin den
polemischen Ton Grandis, der die Absicht des Buches unterstreicht, die italienische Küche von ihrer Mythologie her aufzurütteln.
Karl-Heinz KohlNeun StämmeDas Erbe der Indigenen und die Wurzeln der Moderne
C.H. Beck. 312 Seiten. 32 Euro
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Wem die große Fernreise diesen Sommer verwehrt bleibt, dem sei zur Lektüre von Karl-Heinz Kohls neuem Buch geraten. Denn der Ethnologe reist mit uns zu den Wurzeln der Moderne, die er im Erbe indigener Völker verortet. Durchweg positiv besprechen die Kritiker den Versuch Kohls, darzulegen, inwiefern indigene Kulturen als Partner und
Vorbilder westlicher Gesellschaften gelten können. Anhand von neun Stämmen erörtert er, welchen Einfluss die Indigenen auf die Gesellschaften hatte, die sie eroberten, kolonialisierten sowie oft weitgehend zerstörten. Äußert lehrreich, auch mit Blick auf die Debatten um
kulturelle Aneignung, nennt Helmut Mayer in der
FAZ das Buch, in dem er etwa lernt, dass die
Irokesen von Friedrich Engels zum Vorbild einer utopischen, klassenlosen Gesellschaft erkoren wurden oder die feministische Theorie in ihnen das Idealbild einer Gesellschaft jenseits des Patriarchats entdeckte. Weiterhin beschäftigt sich Kohl laut Mayer unter anderem mit den zentralaustralischen Aranda, den brasilianischen Tupinambá sowie der Rolle indigener Entwicklung unter anderem des Freud'schen Denkens sowie des Tourismus. Popkultur und Theoriebildung hat Kohl dabei gleichermaßen im Blick, lobt Mayer, außerdem behandelt das Buch auch die Frage, inwieweit der Blick der Ethnologen auf diese Volksgruppen lediglich eine Projektion darstellt. Dem
NZZ-Rezensenten Thomas Wagner gefällt besonders, dass die neuen Stämme des Titels nicht nur als Untersuchungsobjekte westlicher Wissenschaftler in den Blick kommen. Vielmehr prägen sie sie laut Wagner aktiv ihre Darstellung oder orientieren sich teilweise selbst am ethnologischen Wissen des Westens. Der Text ist zudem so
humorvoll und konkret geschrieben, dass Jörg Häntzschel in der
SZ dem Ethnologen sogar verzeiht, dass er allzu "nonchalant" mit dem Thema Kolonialismus umgeht.
Jeremy Eichler Das Echo der ZeitDie Musik und das Leben im Zeitalter der Weltkriege
Klett-Cotta Verlag. 464 Seiten. 32 EUR
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Um die Musik als "Zeugin der Geschichte und
Überbringerin der Erinnerung", wie der Musikkritiker und Historiker Jeremy Eichler im Vorwort zu seinem Buch schreibt, geht es in "Das Echo der Zeit". Eichler widmet sich vier Musikstücken, die die Schrecken des 20. Jahrhunderts verarbeiten: "Ein Überlebender aus Warschau" von
Arnold Schönberg, die "Metamorphosen" von
Richard Strauss, das "War Requiem" von
Benjamin Britten und die "13. Sinfonie" von
Dmitrij Schostakowitsch. "Klingende Mahnmale" sind diese Werke für Eichler, die das Publikum mitunter schockierten, wie in einer
Rezension zum Buch bei
br-Klassik zu lesen ist: Arnold Schönbergs Zwölfton-Komposition "Ein Überlebender aus Warschau" das vom Aufstand im Warschauer Ghetto erzählt, wurde im Jahr 1948 von einem Laienorchester aufgeführt, denn der Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra, dem Schönberg das Stück vorgelegt hatte, war so schockiert gewesen, dass er sich nach der ersten Durchsicht einfach nicht mehr bei Schönberg meldete. Es sind solche Anekdoten, die das Buch für den
Zeit-Kritiker Alexander Cammann so spannend machen. Zum Bersten gefüllt mit interessanten Geschichten ist diese Zeitreise, die Historisches mit Anekdotischem verbindet, lobt Cammann, der diesen "
musikalischen Thriller" mit Nachdruck empfiehlt.
SZ-Kritiker Helmut Mauró schätzt Eichlers hervorragende Quellenarbeit und den Detailreichtum des Buches, etwas skeptisch blickt er aber auf das Kapitel zu Richard Strauss' "Metamorphosen": Ob Strauss mit diesem Stück tatsächlich eine Schuld abtragen wollte, die er aufgrund seiner Verstrickung in den nationalsozialistischen Kulturapparat trug, bleibt für Mauró fraglich.
Hannah ArendtÜber PalästinaZwei bisher unbekannte Texte - erstmals auf Deutsch
Piper Verlag. 272 Seiten. 22 Euro
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Mit gutem Recht nennt der Hannah-Arendt-Biograph und Herausgeber Thomas Meyer diesen Band "eine
Sensation", schreibt Omri Boehm in der
FAZ. Der Band enthält zwei
bisher unbekannte Aufsätze Arendts: den 1943 verfassten Text "Wir Flüchtlinge" und die Abhandlung "Das palästinensische Flüchtlingsproblem", die Arendt gemeinsam mit einem Gremium von Nahostexperten und Intellektuellen am New Yorker Institute for Mediterranean Affairs verfasste. Beide Texte setzen mit der Frage der Palästinensischen Flüchtlinge auseinander und versuchen, eine praktische Lösung zu finden, die nicht nur die Vertriebenen, sondern, auf lange Sicht, auch den jüdischen Staat schützt. "Scharfe und
voraussehende Analysen" liest
Zeit-Kritiker Alexander Cammann hier und findet vor allem die Idee einer "Mittelmeer-Föderation" interessant, von der Arendt hoffte, dass sie
den arabischen Hass abfedern könne. Arendts Versuch, ihre "Emotionen möglichst zu ignorieren", um so zu einer vernünftigen, für alle Seiten gangbaren Lösung zu kommen, macht den Aufsatz gerade im aktuellen Kontext zu einer eindringlichen Lektüre, so der Rezensent. Wie Arendt "mit eiskaltem Humanismus" gegen eine US-Intervention im Namen Israels argumentiert, beeindruckt auch
SZ-Kritikerin Nele Polatschek. Vor allem aber bietet er inspirierende Lösungsansätze für ein nach wie vor brennendes Problem, findet sie.