Dana von Suffrin (Hg.)

Wir schon wieder

16 jüdische Erzählungen
Cover: Wir schon wieder
Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783498007317
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Dass es heute in Deutschland wieder eine jüdische Literatur gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Auch wenn vieles die hier versammelten Schriftstellerinnen und Schriftsteller trennt, vereint sie jüdische Sozialisierung, geistige Tradition und ein fragiles Verhältnis zur deutschen Mehrheitsgesellschaft. Am 7. Oktober ist das allen wieder aufs Deutlichste bewusst geworden. In diesem Kontext ist die Idee zu Jüdisch, deutsch etc. entstanden. Dana von Suffrin konnte eine Vielzahl prominenter Beiträgerinnen und Beiträger gewinnen, und so versammeln sich trotz aller Differenzen - politisch, persönlich, künstlerisch - in diesem Band 16 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, um in Prosastücken, Erzählungen oder Essays über das zu schreiben, was sie gerade bewegt. Mit Beiträgen von Adriana Altaras, Maxim Biller, Zelda Biller, Yevgeniy Breyger, Joe Fleisch, Marina Frenk, Lena Gorelik, Elfriede Jelinek, Dmitrij Kapitelman, Olga Mannheimer, Eva Menasse, Slata Roschal, Linda Rachel Sabiers, Dana von Suffrin, Ljudmila Ulitzkaja, Dana Vowinckel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2024

Eine "schön komponierte Anthologie" mit Beiträgen von sechzehn bekannten jüdischen AutorInnen liegt Rezensent Jeremy Adler hier vor. Es geht um das Erleben von Juden in Deutschland nach dem 7. Oktober, wie Dana von Vowinckel in ihrem Vorwort klarmacht, merkt Adler an. Geradezu "fulminant" findet er beispielsweise Linda Rachel Sabiers Beitrag, der ihr "Intimleben mit der Schoa, dem Staat Israel und der jüngsten Vergangenheit" verbindet. Beeindruckend auch der "lange Wutausbruch" Eva Menasses, die in einer tranchierten Analyse die Zerrissenheit von Juden und Jüdinnen im heutigen Deutschland darstellt. Der Band verbindet aktuelle und historische Elemente und bringt auf kluge und "von Trauer bestimmter" Weise die Herausforderungen heutigen jüdischen Lebens nahe, so Adler, gleichzeitig betont er, wie maßgeblich die Themen Heimweh und Exil für die jüdische Identität bleiben. Der Kritiker spart aber auch nicht mit Kritik: Manches ist ihm hier ein wenig zu oberflächlich geraten, zum Beispiel die Beschreibung jüdischer Bräuche und Riten. Auch der Witz fehlt ihm ein wenig, zugleich stellt er eine gewisse  "Hilflosigkeit" im Umgang mit Antisemitismus fest - Rat hätte man hier bei früheren Generationen finden können, Adler denkt an Martin Buber oder Gershom Sholem. Trotzdem hält der Band einen vielseitigen Überblick über die Tragik bereit, die das Leben deutscher Juden heute mitbestimmt, schließt er. 

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