Klappentext

Max Czollek ist dreißig, jüdisch und wütend. Denn hierzulande herrschen seltsame Regeln: Ein guter Migrant ist, wer aufgeklärt über Frauenunterdrückung, Islamismus und Demokratiefähigkeit spricht. Ein guter Jude, wer stets zu Antisemitismus, Holocaust und Israel Auskunft gibt. Dieses Integrationstheater stabilisiert das Bild einer geläuterten Gesellschaft - während eine völkische Partei Erfolge feiert. Max Czolleks Streitschrift entwirft eine Strategie, das Theater zu beenden: Desintegration. Desintegriert euch! ist ein Schlachtruf der neuen jüdischen Szene und zugleich eine Attacke gegen die Vision einer alleinseligmachenden Leitkultur.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2018

Mirjam Wenzel deutet Max Czolleks auf den Desintegrations-Kongress am Maxim-Gorki-Theater zurückgehende Kampfschrift als Sichtbarmachung jüdischer Vielstimmigkeit innerhalb der Forderung nach gesellschaftlicher Diversität und gegen ein vermeintlich universales "Wir" der deutschen Gesellschaft. Laut Wenzel geht der Autor damit über Y. Michal Bodemanns Buch "Gedächtnistheater" hinaus, indem er sich nicht nur einer Normalisierung deutschen Selbstverständnisses entgegenstellt, sondern sie für das Wiedererstarken völkischer Gedanken verantwortlich macht. Für Wenzel verlässt der Autor damit die soziologische und zeithistorische Argumentation und betreibt Battle-Rap.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2018

Möchte Max Czollek überhaupt, dass man ihm "argumentativ begegnet"?, fragt Rezensent Felix Stephan ratlos nach Lektüre dieser Attacke auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Ganz im Sinne des von Chantal Mouffe geforderten linken Populismus blase Czollek Deutschland zum riesigen fremdenfeindlichen Popanz auf, gegen den er dann mutig zu Felde reite. Die Stoßrichtung seiner Angriffe kann der Rezensent dabei nicht immer erkennen: Erst werfe Czollek den Deutschen vor, zu viel über Auschwitz zu reden, dann wieder zu wenig, doch im Grunde seien sie allesamt faschistoide Heimattümler, gegen deren "Integrationstheater" sich die Minderheiten auflehnen müssten. Nichts gegen postkoloniale Theorie oder gegen Auseinandersetzung mit Leitkultur und Integration, meint Stephan, da gebe es kluge Bücher, von Isolde Charim oder Aladin El-Mafaalani. Aber dieses linke Vulgärversion identitären Denkens, die nicht einmal den Unterschied zwischen Heimat und Nation kennt, will der Rezensent nicht ernst nehmen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.08.2018

Hm, die These klingt ja schnittig. Rezensent Lars Weisbrod zitiert Max Czollek: "Das Konzept der Desintegration fragt nicht, wie einzelne Gruppen mehr oder weniger gut in die Gesellschaft integriert werden können, sondern wie die Gesellschaft selbst als Ort der radikalen Vielfalt anerkannt werden kann." Wie das aber gelingen soll, schafft zumindest Weisbrod in seiner kurzen Rezension nicht wirklich zu fokussieren. Er macht zwar klar, dass Czollek scharfsinnige Beobachtungen zur gar nicht so gelungenen deutschen Vergangenheitsbewältigung macht - zurecht hätten sich die heute hier lebenden Juden ihrer Statistenrolle bei dieser "Wiedergutwerdung" zu erwehren. Nur, was Czollek daraus für die Gesellschaft insgesamt folgert, wird für Weisbrod nicht klar. Wie etwa wäre unter Czolleks Imperativ das Problem muslimischen Antisemitismus zu handhaben, fragt der skeptische Rezensent. Müsste man ihn im Namen der "radikalen Vielfalt" gewähren lassen?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2018

Claudia Schwartz hat ihre Einwände gegen die Streitschrift des deutsch-jüdischen Autors Max Czollek aus dem Umfeld des Maxim-Gorki-Theaters. Mutig und wichtig findet sie den Text, weil er von einer tiefen Entwurzelung zeuge, aber bei der Frage, was der Autor genau sagen möchte, kommt die Rezensentin ins Zweifeln. Czolleks Kritik an der erstarrten deutschen Erinnerungspolitik fehlen laut Schwartz die Differenzierung ebenso wie ein geeigneter Lösungsvorschlag. Mit gleicher Brachialität polemisiere er gegen ein Zuviel an Gedenkkultur und gegen den Rechtspopulismus. Kunst dürfe zwar wütend und einseitig sein, aber ein Essay, der Teil einer Debatte sein will, müsse unterscheiden können. Schwartz beschleicht der Verdacht, dass der Autor nur für Leser schreibt, die seiner Meinung sind. Politik der Versöhnung sieht anders aus, findet sie.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.08.2018

Ann-Kristin Tlusty erkennt (in einer Kritik für Zeit online) als Hauptadressaten von Max Czolleks Polemik all jene, die ihre Opferrolle im deutschen Vergangenheitsbewältigungstheater nicht länger spielen mögen, deutsche Juden vor allem. Den belebenden Effekt des Buches auf die Integrationsdebatte bezweifelt Tlusty nicht. Czolleks wütende Sprache hält sie für die performative Umsetzung der Absage an das "Gedächtnistheater". Einen leichten Charakter erhält der schwere Gegenstand des Buches laut Rezensentin durch die Entschiedenheit des Autors. Einen Vorschlag zur Umsetzung der Desintegration liefert Czollek laut Tlusty gleich mit: Es gilt, die radikale Vielfalt der migrantischen Gesellschaft anzuerkennen!

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.08.2018

Ulrich Gutmair liest Max Czolleks Pamphlet gegen das "Integrationsparadigma" mit Blick auf die "jüdische Perspektive" darauf. Was der Politikwissenschaftler Czollek anhand von Walsers Paulskirchenrede oder dem Einzug der AfD in den Bundestag feststellt, dass nämlich als unpatriotisch gilt, wer nicht die Fahne schwenkt, um die Normalität zu feiern, führt laut Gutmair im Buch zu "drastischen" Folgerungen und polemischen Überspitzungen. Czolleks Rechercheleistung und stringente Argumentation und auch sein Humor machen die Streitschrift für ihn aber zur aktuellen und empfehlenswerten Lektüre.