Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783803133847 Gebunden, 352 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Christiane Pöhlmann. Marcello, um die dreißig und frischgebackener Ex-Langzeitstudent ohne richtigen Job, wohnt im Touristenstädtchen Viareggio - natürlich bei seiner Mutter. Er fürchtet, seine Freundin könnte es ernst mit ihm meinen, und ebenso sehr, sie könnte ihn verlassen. Seine größte Sorge aber ist: Er will auf gar keinen Fall die Bar seines Vaters übernehmen. Mehr aus Trotz bewirbt sich Marcello um eine Promotionsstelle an der Uni Pisa - und zur allseitigen Überraschung, auch seiner eigenen, bekommt er sie. Schnell gerät Marcello in die Ränkespiele eines legendären Literaturprofessors, der ihm ein Thema für seine Doktorarbeit aufdrückt: das schriftstellerische Werk des linken Terroristen Tito Sella. Doch warum interessiert sich sein Professor so sehr für den kaum bekannten, im Gefängnis verstorbenen Sella? Und was verrät dessen angeblich verschollene Autobiografie? Dario Ferrari erzählt von Marcello, der sich erfolgreich dem Erwachsenwerden widersetzt - und dem zusehends die Grenzen verschwimmen: zwischen Literatur und Leben, zwischen dem schreibenden Terroristen und sich selbst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2026
Viel Lesefreude bereitet Dario Ferraris Buch der Rezensentin Katrin Hillgruber. Der Autor entwirft einerseits ein Panorama der italienischen Geschichte bis zurück in die politisch problematische bleierne Zeit der 1970er; andererseits setzt er sich in satirischer Manier mit dem akademischen Betrieb der Gegenwart auseinander. Im Zentrum steht das Muttersöhnchen Marcello, der eher aus Versehen in Pisa zum Promotionsstudent avanciert und von seinem exzentrischen Doktorvater dazu verleitet wird, über einen obskuren Autor zu forschen, der einst auch als Terrorist tätig war - und der eine Erfindung Ferraris ist. Auf den Spuren dieses fiktiven Revoluzzer-Schriftstellers begibt sich Marcello unter anderem nach Paris, zwischendrin gibt es eine Rückblende in die 1970er. Besonders toll findet Hillgruber, wie in diesem lebendigen Buch die Welt der Geisteswissenschaft auf die Schippe genommen wird, eine Welt, in der man sich gegenseitig mit giftigen Fußnoten bekriegt. Eine runde Sache ist das alles, findet die Rezensentin, wozu auch Christiane Pöhlmanns insgesamt starke Übersetzung beiträgt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.02.2026
Rezensentin Anna Vollmer hat sichtlich Spaß bei der Lektüre von Dario Ferraris Roman, den sie als Mischung aus Generationenporträt, Campusroman und Krimi bezeichnet. Es geht darin um den "Hänger" Marcello, Anfang dreißig, eher lesebegeistert als akademisch veranlagt, der aber trotzdem nach langem Studium auf einer Doktorandenstelle landet. Herrlich authentisch und amüsant findet die Kritikerin dabei, wie Ferrari das Unimilieu auf die Schippe nimmt, inklusive selbstverliebter geisteswissenschaftlicher Professoren, die bitte Business Class fliegen möchten, oder, auf Seiten Marcellos, die Doktorarbeit als Aufschiebungsmaßnahme begreifen. Auch der politisch-kriminalistische Teil - was hat Marcellos Forschungsobjekt, der Schriftsteller Tito Sella, dazu bewogen, entgegen seinem Charakter Terrorist zu werden? - findet Vollmer spannend und gelungen. Einzig auf der Gefühlsebene hapert es ein wenig - die Beziehung zum Vater und zu Frauen gerate vergleichsweise "blass". Trotzdem ein unterhaltsames und bestechend "zeitgenössisches" Buch, auch in der Sprache, wenngleich Pöhlmanns Übersetzung nicht ganz mit dem "lässigen" Original mithalten könne.
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