Es hat in den vergangenen Jahren eine Fülle neuer Forschungen, Spezialstudien und Zeitzeugnisse gegeben, die kaum mehr zu überblicken sind und einer fachkundigen Zusammenführung und qualifizierten Gesamtdarstellung bedürfen. Diese legt der britische Historiker David Cesarani nun vor. Neben den neuen Erkenntnissen der Forschung erschließt Cesarani umfangreiche Qellen aus Osteuropa, die erst nach dem Untergang der Sowjetunion zugänglich wurden, sowie jüngst freigegebenes Geheimdienstmaterial aus Ost und West. Daraus ergeben sich neue Einblicke in das Ausmaß des Völkermords, das Wissen darüber seitens der Deutschen wie der Alliierten, die Befehls- und Entscheidungsprozesse der NS-Täter sowie die kriegsbedingten und ökonomischen Aspekte des Holocaust.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2017
Man hätte sich eine qualifizierte Besprechung dieses tausendseitigen Bandes gewünscht, das sich einreihen in die nicht unerkleckliche Zahl von Standardwerken zur Judenvernichtung. Matthias Gafke widmet sich dem Buch nur recht kurz und etwas unsicher, und man weiß nie, ob er als Rezensent spricht oder den Autor paraphrasiert. Man kann ahnen, dass für den britischen Historiker David Cesarini nicht allein die rassistische Politik der Nazis zur Vernichtung der Juden führte, sondern dass Eroberungspolitik und Kriegsgeschehen die Entwicklung entscheidend bestimmten. Gafke kann dieser anti-intentionalistischen Deutung durchaus etwas abgewinnen, ohne sie allerdings eingehender zu diskutieren. Kleinere Fehler fallen ihm in dieser Studie auf.
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