József Debreczeni

Kaltes Krematorium

Bericht aus dem Land namens Auschwitz
Cover: Kaltes Krematorium
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783103975444
Gebunden, 272 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Timea Tankó. Mit einem Nachwort von Carolin Emcke. Der renommierte ungarische Journalist und Dichter József Debreczenis wurde 1944 nach Auschwitz deportiert, es folgten zwölf albtraumhafte Monate in verschiedenen Lagern. Seine letzte Station war das "Kalte Krematorium", die Krankenbaracke des Zwangsarbeitslagers Dörnhau. Kurz nach der Befreiung schrieb József Debreczeni seinen Bericht: eine gnadenlose Anklage von höchster literarischer Qualität. Mit präzisen Beschreibungen, dem Mittel der Ironie und mitunter einem beißenden Humor bringt er uns die Menschen nahe, denen er in der Haft begegnet ist und deren Erfahrungen in den Lagern mit dem Verstand kaum zu begreifen sind.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.01.2025

Spät erscheint diese Neuauflage des Buchs von József Debreczeni über Auschwitz, meint Rezensentin Melanie Longerich, wichtig ist sie freilich um so mehr. Debreczeni, ein Schriftsteller und Journalist aus Ungarn, kommt im Jahr 1944 in Auschwitz an, sein Buch liest sich, so Longerich, zu weiten Teilen wie eine Reportage. Der Autor schreibt die Erfahrungen seiner Mithäftlinge nieder, berichtet von den fürchterlichen Bedingungen bei der Zwangsarbeit und schildert das System der Entmenschlichung, unter anderem auch mit Blick auf die von den Nazis etablierte Lagerhierarchie, die dafür sorgte, dass die direkte Gewaltausübung von den Deutschen auf die Häftlinge selbst übertragen wurde. Die Aufmerksamkeit, die dieses Buch, das auch in Ungarn zunächst wenig Beachtung fand, heute erfährt, ist mehr als nur verdient, schließt Longerich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2025

Rezensent Dietmar Süss hält das Erscheinen von Jozsef Debreczenis Erfahrungsbericht aus den Konzentrationslagern Auschwitz und Groß-Rosen auf Deutsch für ein großes Glück. Was der Autor unmittelbar nach Kriegsende über den Terror der Deutschen, die schrittweise Entmenschlichung und die tägliche Gewalt aufschrieb, scheint ihm aufwühlend, sprachmächtig und erzählerisch raffiniert gemacht. Vor allem die "schonungslose" Klarheit der Beschreibungen macht diese Überlebendengeschichte so eindringlich, findet er.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.01.2025

Rezensent Dirk Schümer findet den Blick des ungarisch-jugoslawischen Schriftstellers Jozsef Debreczeni scharf und schrecklich aktuell. Dass Debreczenis Bericht aus den Lagern der Nazis erst jetzt, ganze 75 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung, in der genauen Übersetzung von Timea Tankos auf Deutsch erscheint, ist für ihn eigentlich eine Fortsetzung der Niedertracht, aber wichtig ist die Publikation natürlich dennoch, versichert er. Die dokumentierte "Überlebensarbeit", die Hierarchie der Häftlinge in den KZs, die höllische Zwangsarbeit - all das beschreibt der Autor unerträglich genau und wahrhaftig, so Schümer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2025

Ein weiterer, beeindruckender Augenzeugenbericht zum Holocaust liegt laut Rezensent Rudolf Walther nun endlich auch auf Deutsch vor. Geschrieben hat ihn der Journalist József Debreczeni, der in Budapest geboren wurde, in der Vojvodina lebte und arbeitete und dann 1941, bei der Annexion der Vojvodina durch Ungarn, von den Nazis inhaftiert und 1944 nach Auschwitz deportiert wurde. Der Autor schildere präzise die unerbittliche Organisation der KZs durch die Deutschen, die eine Art Aristokratie in den Lagern etablierten, in die auch private Firmen integriert waren, die Kapos stellten. Medizinisches Personal und Küchenbeschäftigte waren vergleichsweise privilegiert, erfährt der Kritiker, im Buch geht es außerdem unter anderem um die fürchterlichen hygienischen Bedingungen, Tauschhandel mit Zahngold und den Überlebenskampf der Insassen, der manchmal auch unter Verwandten ausgefochten wurde. Ein ungeschönter, nüchterner Bericht aus der Hölle, so das Fazit, der "ebenbürtig" neben Erinnerungsliteratur von Imre Kertész, Charlotte Delbo oder Primo Levi steht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.11.2024

Das ursprünglich 1950 und nun endlich auf Deutsch erschienene Buch József Debreczenis ist eine wichtige, eindringliche Ergänzung der Literatur zur Shoah, findet Rezensent Alexander Cammann. Debreczeni überlebte Auschwitz, weil er inmitten des Schreckens gelegentlich Glück hatte, unter anderem direkt nach der Ankunft, als er dem Transport direkt ins Gas entkam, später wurde er zu einem nicht ganz so tödlichen Arbeitsdienst eingeteilt und landete schließlich im Lager Dörnhau, wo Kranke nicht in Gaskammern ermordet wurden. Besonders an diesem Buch ist unter anderem, beschreibt Cammann, dass Debreczeni als Journalist gearbeitet hatte und souverän mit literarischen Formen wie dem Erlebnisbericht oder Aussagen von Zeugen umzugehen weiß, streckenweise liest sich das Buch schlicht wie die hervorragende, effektbewusste Reportage eines Literaten. Ausführlich beschrieben werden, heißt es weiter, weniger die Deutschen, die im Lageralltag kaum präsent und lediglich kalte Schatten des Todes sind, als jüdische Mithäftlinge, brisant wird das Buch hier, weil es auf die erzwungene Kollaboration einzelner Häftlinge eingeht und auch, ganz unromantisch, die Kämpfe um Nahrungsmittel und anderes zwischen den Gefangenen thematisiert. Auch Solidarität zwischen Häftlingen findet freilich Erwähnung, stellt der Rezensent klar, eindrucksvolle Porträts von Mitgefangenen gelingen Debreczeni in solchen Passagen. Insgesamt ein hochgradig relevantes Buch, das die Aufmerksamkeit, die ihm nun endlich gewidmet wird, mehr als nur verdient hat, schließt die Rezension.

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