David Ensikat erzählt die Geschichte der DDR auf unterhaltsame, leicht zugängliche Weise. Dabei begegnen wir dem eifrigen Funktionär ebenso wie dem regimekritischen Pfarrer, der heimlich für die Stasi arbeitet. Wir lernen, wie man durch das Verfahren des "Zettelfaltens" eine Wahl mit sagenhaften 99 Prozent Zustimmung gewinnt obwohl doch überall im Land die Leute über den "Scheiß Osten" schimpfen; wir erfahren, wie die Geheimpolizei Menschen zum Verrat am besten Freund anstiftete, wie viele Beifallsarten es bei einem Parteitag gab, wie es zur "Kaffeekrise" kam und warum eine empörte Verkäuferin dem Schüler David E. ins Hausaufgabenheft schrieb, er benehme sich "unmöglich" im Spielwarenladen.
Rezensent Axel Dossmann bescheinigt David Ensikat für sein DDR-Buch einen gewissen Willen zu einer "radikalen Trivialisierung und Stereotypisierung". Das Buch insgesamt hält er denn auch für eine Fehlleistung. Denn in den 33 "Häppchengeschichten", aus denen es seinen Informationen zufolge besteht, würden viele historischen Zusammenhänge ohne Not verkürzt und damit falsch dargestellt. Der in Ostberlin geborene Ensikat verschanze sich hinter "formelhaften Merksätzen" und Klischees, statt von sich und seinen Erfahrungen zu berichten. Der von ihm skizzierte Realsozialismus gerate so schnell zur Groteske, die Lichtjahre von den klugen etwa eines Jakob Hein entfernt sei. Insgesamt wirkte das Buch auf den Rezensenten wie ein Märchen, "das Opa seinen Kindern zum Einschlafen" über Diktatur, Demokratie und die Deutschen erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.08.2007
Rezensent Philipp Wurm findet durchaus amüsante Momente in diesem Buch über die DDR, dessen Erzählstil er als "kindgerecht" bezeichnet. Mit diesem scheinbar naiven Duktus und einer "fast schon frechen Schlichtheit" gelingt es dem in der DDR aufgewachsenen und heute beim Tagesspiegel arbeitenden David Ensikat, "die Absurditäten einer Parteidiktatur bloßzustellen". Er schaut mit einer gewissen "Süffisanz" auf das Leben im sozialistischen Deutschland. Obwohl das teilweise sehr unterhaltsam sei, dürfe man von diesem Buch keine neuen Einsichten erwarten, baut Wurm allzu hohen Erwartungen vor. Weswegen er es auch ein bisschen bedauerlich zu finden scheint, dass Ensikat den Niedergang der DDR dann doch irgendwie deuten will.
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