Aus dem Englischen von Sebastian Vogel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Computer dem menschlichen Geist überlegen sind und künstliche Intelligenz auch unser Bewusstsein überformt - so das Credo der Naturwissenschaften. David Gelernter, Philosoph und Visionär, stellt die Technikgläubigkeit vom Kopf auf die Füße: Das Spektrum unseres Bewusstseins ist so vielgestaltig, so schöpferisch und so einzigartig, dass kein Computerprogramm dem je gleichkäme. Unser Geist kann sich von Regeln frei machen und gänzlich Neues erschaffen. Das zeigen die Werke von Shakespeare, Homer und Proust. Kreativität und die Fähigkeit zur Introspektion sind nur dem Menschen gegeben. Und die Erkenntnisse von Descartes, Searle und Freud haben im digitalen Zeitalter eine größere Bedeutung denn je. Gezeiten des Geistes lotet die Tiefen des Bewusstseins aus und gibt uns ein neues Verständnis von dem, was das Wesen des Menschen ausmacht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.07.2016
Rezensentin Manuela Lenzen erscheinen die Enttäuschung und der Furor, mit dem der Informatikprofessor David Gelernter gegen die Schmalspurdefinition des menschlichen Geistes anschreibt, zwar etwas überholt. Längst schon befassen sich Computertheoretiker mit tiefenpsychologischen Modellen, meint sie. Das Buch findet sie dennoch lesenswert. Schon, da der Autor Schriftsteller wie Shakespeare und Tolstoi oder auch Freud als Gewährsleute heranzieht, um die seiner Meinung nach übersehenen Übergänge zwischen Gedachtem und Gefühltem, Schlaf und Wachen, Vorstellung und Magie sichtbar zu machen. Dass unser Geist viel mehr ist als jeder Algorithmus, lernt Lenzen von Gelernter gerne noch einmal. Etwas mehr Sensibilität für aktuelle Forschungsergebnisse beim Autor hätte ihr die Lektüre des ein oder anderen poetischen Satzes bei Gelernter versüßt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2016
David Gelernter hält nicht allzu viel von künstlicher Intelligenz, aus ziemlich ähnlichen Gründen kritisiert er in seinem neuen Buch "Gezeiten des Geistes" nun ein rationalistisches Bild unseres Denkens, erklärt Thomas Thiel. Es geht Gelernter um "die Nachtseite der Vernunft", so der Rezensent, um jene Art des Denkens, die so radikal körperlich ist, dass sie nicht kontrolliert werden kann - wobei Gelernter Kontrolle als eben jenes Merkmal des Bereiches unseres Denkens versteht, der gemeinhin mit Vernunft und Logik beschrieben wird, fasst Thiel zusammen. Für den Rezensenten leistet Gelernter im Insistieren auf ein umfassenderes Verständnis unseres Verstandes einen willkommenen Beitrag, allerdings findet Thiel Gelernters alternative, vertikale Skala der Kontrolle nicht unbedingt hilfreich, weil sie eine zu scharfe Trennung zwischen kontrollierten und unkontrollierten Bereichen des Denkens einführt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…