Die gegenwärtige Selbstverständlichkeit der einen Suchmaschine lässt leicht übersehen, dass Suchmaschinen einen Interessenkonflikt induzieren zwischen jenen, die sie einsetzen wollen, und jenen, auf die sie angesetzt werden. Ihr prekärer Status im Spannungsfeld zwischen Übersicht und Überwachung wird verdrängt. Anhand von vier Fallstudien zeigt David Gugerli die Entwicklung der Suchmaschine auf, von den frühen Fernseh-Ratespielen, von Robert Lembkes Unterhaltungsshow "Was bin ich?", über Eduard Zimmermanns Fahndungssendung "Aktenzeichen XY" und Horst Herolds "Kybernetik der Polizei" bis zu der von Ted Codd ausgehenden Entwicklung der relationalen Datenbank. Während Lembke auf die Feststellung von Normalität ausgerichtet war, suchte Zimmermann die Devianz, Herold die Muster und Codd die allgemeingültige Such- und Abfragesprache für in Form gebrachte Wissensbestände, die man seit Mitte der sechziger Jahre Datenbanken nennt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2009
Der Einwand und das Lob des Rezensenten angesichts dieses Bandes haben denselben Grund. David Gugerlis Arbeit zu (Vor-)Formen heutiger Suchmaschinen entzückt Bernhard Dotzler einerseits durch die verblüffende Entdeckung prä-googelnder Datenbankkultur in Robert Lembkes heiterem Beruferaten und bei den "sachdienlichen Hinweisen" in Eduard Zimmermanns "Aktenzeichen XY". Andererseits sieht Dotzler auch deutlich die Grenzen eines solchen Rekurses. Über unser Leben mit Google, erklärt er, erfahren wir dabei zu wenig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2009
Das Angebot des Autors, die Debatten um Datenhoheiten einmal aus anderer Perspektive zu betrachten, nimmt Helmut Mayer gerne an. David Gugerlis verfremdungsfreudiger Essay führt ihn zu ganz frühen "Suchmaschinen". Dabei mit Robert Lembkes "Was bin ich?" oder "Aktenzeichen XY" konfrontiert zu werden, findet Mayer erfrischend überraschend. Um so mehr, als Gugerli anschließend über Datenabgleichmethoden und die frühe Entwicklung von Datenbanken referiert. Dass Gugerli weniger auf aktuelle Bezüge setzt, als auf seine ungewöhnlichen Beispiele, geht für Mayer okay. Die Art und Weise unseres Umgangs mit der Suchmaschine, so scheint es, wird am Beispiel des heiteren Beruferatens erst so recht plausibel.
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