Delhi, die alte Hauptstadt der Moghuln, hatte im kolonialen 19. Jahrhundert trotz seines politischen Niedergangs immer noch eine starke kulturelle Ausstrahlungskraft. Es bildete sich ein muslimisches Bürgertum heraus, dessen Aufstiegsstrategie nicht Säkularisierung, sondern demonstrative Frömmigkeit war. Welche Bedeutung hatte die Religion für die Selbstdefinition des muslimischen Bürgertums? Diese Frage behandelt Margrit Pernau und verfolgt damit die Einflüsse und Ausprägungen des Islam in ihrem historischen und sozialen Kontext. Sie zeigt, für welche Gruppen und zu welcher Zeit sich religionsübergreifend plurale Identitäten entwickelten und wo sie die Religion prägten und von ihr geprägt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.11.2008
Diese Studie über die Entstehung eines muslimischen Bürgertums in Delhi schlägt für David Motadel ein neues Kapitel in der Bürgertumsforschung auf. Höchst anregend sei Margit Pernaus Ansatz, indische Geschichte mit der Bürgertumsforschung zu verbinden, die in der Vergangenheit doch zumeist als europäisches Phänomen untersucht wurde, preist der Rezensent, der mitteilt, dass die Berliner Historikerin dafür den Habilitationspreis des Deutschen Historikerverbandes erhalten hat. Die Autorin kann in ihrer Untersuchung des Aufstiegs eines Bildungsbürgertums im Zuge der Vertreibung der Moguln durch die britische Kolonialmacht interessante Gemeinsamkeiten zwischen dem indischen und dem europäischen Bürger herausarbeiten, ohne die Unterschiede zu nivellieren, lobt Motadel anerkennend und sieht hier sehr gelungen den Begriff des Bürgertums erweitert, ohne ihn zu "verwässern".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2008
Rezensent Andreas Eckert ist voll des Lobes über Margit Pernaus Studie über das muslimische Bürgertum im Indien des 19. Jahrhunderts. Er sieht hier einen guten Anfang für die Erforschung der Verflechtung von europäischer und außereuropäischer Geschichtsforschung gemacht. Die Historikerin erprobt die Anwendung des Begriffs Bürgertum auf die aufsteigende Klasse der muslimischen Händler und der durch Bildung an Ansehen gewinnenden Muslime in Delhi, deren Religion Teil des steigenden Selbstbewusstseins wird, erklärt der Rezensent interessiert. Ihm imponiert, dass Pernau sich in ihrer Studie nicht einseitig am europäischen Bürgertums-Begriff orientiert, anhand deren sie die Ausprägung des Typs in Delhi dann als "defizitäre Abweichung" interpretiert. Und so fällt es nach der Lektüre dieses herausragenden Buches nicht schwer, sich einen Bürger "auch mit Turban vorzustellen", wie der begeisterte Eckert preist.
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