Von Peter Reichel, Harald Schmid und Peter Steinbach. Die Geschichte des Dritten Reiches wurde während des Kalten Krieges auf beiden Seiten des "Eisernen Vorhangs" politisch instrumentalisiert. Dagegen engagierten sich kritische Publizisten, Künstler, Wissenschaftler und auch einzelne Politiker. Gleichwohl weigerten sich große Teile der deutschen Bevölkerung lange, den verbrecherischen Charakter des NS-Regimes zu akzeptieren. Das gelang erst mit schmerzlichen Tabubrüchen und erbittert geführten Kontroversen, vom "Holocaust"-Film über den Historiker-Streit bis hin zur "Wehrmachtsausstellung" und zum Mahnmal für die europäischen Juden. Die nationalsozialistische Vergangenheit wird Deutschland auch in Zukunft begleiten, das Grundmuster einer rivalisierenden Geschichtspolitik, Antifaschismus im Osten und Vergangenheitsbewältigung im Westen, aber wird nicht mehr bestimmend sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.06.2009
Es gibt eine "zweite Geschichte" des Nationalsozialismus. Steht die Historisierung der Bewältigung der Nazizeit in der Bundesrepublik der 40er und 50er Jahre noch aus, wie David Oels feststellt, so bildet der vorliegende mit Fachbeiträgen bestückte Sammelband für den Rezensenten immerhin einen gelungenen Anfang, sich diesem speziellen Teil der "bundesrepublikanischen Erfolgsgeschichte" analytisch anzunähern. Bei der Lektüre springen Oels einige Artikel besonders ins Auge, darunter detaillierte Darstellungen über die Wiedergutmachungspolitik (Constantin Goschler) oder die Bedeutung von Fotografien in der Erinnerung an den Holocaust (Claudia Brinks). Im Ganzen zeigt sich Oels überzeugt vom Informationsgehalt der Texte. Er moniert allerdings die fehlende Kontextualisierung der Diskussion von Naziverbrechen im betreffenden Zeitraum. Die Anerkennung jüdischen Leids etwa über den "Umweg über deutsche Opfergeschichten" findet er jedenfalls bemerkenswert.
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