Die moralische Orientierung, die früher durch die Bibel als einheitlichem Bezugspunkt gegeben war, schwand bereits zur Zeit der Aufklärung. Kant wollte mit seinem kategorischen Imperativ eine neue universelle Orientierungsregel geben. Die bekanntesten Modifikationen des katogorischen Imperativs nach dem Zweiten Weltkrieg stammen aus der Feder von Apel, Dworkin, Habermas und Rawls. Darüber hinaus haben Feminismus, Poststrukturalismus und Kommunitarismus der gesellschaftlichen Dezentrierung Rechnung getragen. Diese Konzepte behandelt der erste Teil des Buchs. Im zweiten Teil werden die sozialen Grundlagen einer Moral der Gegenwart erörtert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.02.2000
Andreas Brenner ist enttäuscht: Horsters postchristliche Moral versagt, sobald der Autor sie auf den Einzelfall anwendet, etwa beim "Erlanger Baby" oder der Sterbehilfe. Dann zeige sich, dass Horsters Postulat der "wechselseitigen Anerkennung" - offenbar ein Ersatz für "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" - wenig tauge. Denn die Forderung der "wechselseitigen Anerkennung" beruhe letztlich auf dem Gebot christlicher Nächstenliebe. Dieses Gebot wurde nach christlichem Glauben immerhin von Gott aufgestellt. "Wechselseitige Anerkennung" könne dagegen nur ein unverbindlicher Appell sein: "Da nützt es auch nichts, Gott ins Sachregister zwischen Godesberger Programm und Grenzsituation zu verfrachten", bemerkt Brenner unwirsch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
Ein Fan des Buchs ist Friedrich Wilhelm Graf wohl nicht gerade. Hier begebe sich ein Philosoph der "zweiten Modern" auf den boomenden Beratermarkt, um eine "umfassende Moralkonzeption" zu liefern. Graf stört zum Beispiel Horsters idyllisches Mittelalter-Bild, das er sich zusammenstellt, um seinen Begriff der "postchristlichen Moral" dagegen abzusetzen - moderne Mittelalterforschung nehme Horster dabei gar nicht zur Kenntnis. Hinter Horsters Frage, ob es im Zeitalter der Individualisierung noch eine verbindliche Moral geben könne wittert Graf zudem Eigeninteressen. Und Horsters Wille zur Harmonie durch eine Moral der gegenseitigen Anerkennung ist auch nicht nach Grafs Geschmack: Da drohe "repressiver Konsenszwang".
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