Bearbeitet von Andrea Löw. Dieser Band dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Nach Kriegsbeginn lebten die deutschen, österreichischen und tschechischen Juden inmitten der Gesellschaft wie Ausgestoßene: sie erhielten mindere Lebensmittelrationen, mussten Zwangsarbeit leisten und in speziellen Judenhäusern auf engstem Raum zusammenwohnen. Auswanderung war kaum mehr möglich. In ersten Deportationen wurden mehrere Tausend nach Polen oder Frankreich verschleppt. Mit der Ausbreitung des Kriegs gerieten immer mehr Juden unter deutsche Herrschaft, und die Verantwortlichen suchten nach einer "Gesamtlösung der Judenfrage". Erste Vertreibungsexperimente scheiterten, die angedachten Lösungen wurden immer radikaler. Im September 1941 waren die Juden im Deutschen Reich durch einen "Judenstern" gekennzeichnet und ihre Deportation stand unmittelbar bevor.
Das Entsetzen über den Holocaust, das in der Formelsprache der Sonntagsreden nicht selten verblasst, wird wieder lebendig, wenn man die originalen Quellen zum Geschehen liest - das machen die Rezensenten Stefan Reinecke und Christian Semler in ihrer ausführlichen Kritik der Bände 3 und 5 der Edition deutlich. Es ist eben etwas anderes, abstrakt über die Kollaboration Bescheid zu wissen oder gewissermaßen "live" mitzuerleben, ob der Bürgermeister von Brüssel die gelben Sterne durch seine Behörden verteilen lässt oder sich weigert. Den Autoren fallen in den Dokumenten drei Dinge auf: Besonders klar wird ihnen der Kollaborationswille konservativer Eliten in den besetzten Ländern. Zweitens ist ihnen wichtig festzustellen, dass der Holocaust genau in dem Moment konkrete Gestalt annimmt, als Hitler beschließt, die Sowjetunion zu überfallen. Drittens bietet ihnen der entschiedene Widerstand niederländischer Arbeiter gegen die Drangsalierung ihrer jüdischen Kollegen in diesem düsteren Panorama so etwas wie Trost.
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