Sie ist die Tochter, die stets unsichtbar war neben ihren braven, blonden Schwestern. Sie ist die alleinerziehende Mutter, die sich stets nach mehr Freiheit und Unterstützung sehnte. Sie ist die Überempfindliche, die stets mehr spürte als andere. Sie ist jemand, der Veränderungen hasst. Doch irgendetwas muss geschehen. Denn ihre Kinder sind im Begriff auszuziehen, und sie muss sich verkleinern, ihr altes Leben ausmisten, herausfinden, was davon sie behalten, wer sie in Zukunft sein will. Wie ist es, wenn das Leben noch einmal neu anfängt?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2023
Unterhaltend, aber letztlich doch irgendwie unbefriedigend, findet Rezensentin Daniela Strigl den neuen Roman von Doris Knecht, der eine Protagonistin in den Blick nimmt, die viel mit ihrer Autorin gemeinsam hat. Die Kinder ziehen aus, vom Vater der beiden ist sie längst getrennt, die große Wohnung wird plötzlich zu groß und sie muss umziehen in das kleine Schreibatelier, heißt es. Es geht um "Wohnen und Eigentum", um das weibliche Schreiben, das immer wieder Bezüge zu Virginia Woolf herstellt, um das titelgebende Vergessen und Ausmisten, um Phobien und Therapien - vielleicht um ein bisschen zu viel, überlegt Strigl, der auch die Sprache etwas zu gewollt salopp daherkommt. Auch wenn selbstironische Passagen darin sie immer wieder zum Lachen bringen, kommt ihr das Buch letztlich doch vor "wie der Versuch, eine Glosse zum Roman aufzublasen."
Im Zentrum von Doris Knechts Roman steht laut Rezensent Peter Praschl ein "Ich, das sich sortiert". Knechts Protagonistin ist Ende fünfzig, ihre Kinder werden bald ausziehen, ihr Leben wird sich grundlegend verändern, erzählt er. Was sie zum Anlass nimmt, in ihrem Umfeld einmal gründlich aufzuräumen, auch mit den Geistern der Vergangenheit. Besonders spannend ist das leider nicht, meint Praschl, allerdings kann man sich in den Alltagsproblemen der Protagonistin doch auch ganz gut wiedererkennen und erzählerisch betreibt Knecht "solides Handwerk", schließt der Kritiker.
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