Dubravka Ugresic

Karaokekultur

Essay
Cover: Karaokekultur
Bloomsbury Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783827010438
Gebunden, 384 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Kroatischen von Mirjana und Klaus Wittmann und Angela Richter. In ihrem neuen Essayband wendet sich Dubravka Ugresic dem zeitgenössischen Phänomen der digitalen Kultur zu, in der jedermann eingeladen ist, sich zu beteiligen - ohne Rücksicht auf Urheberrechte und ähnliche störende Nebensächlichkeiten. Ugresic entdeckt hier überraschende Parallelen zur Amateurkultur, wie sie im Kommunismus florierte: Während der Kommunismus unterging, so ihre These, konnte die Hauptidee des Kommunismus - die Selbstverwirklichung - überleben und umgesetzt werden - dank Bill Gates. Außerdem geht es in diesem Band um falsche Begriffe von Patriotismus,Angst vor Menschen, Minibars und den Geist der kakanischen Provinz, die Autorin verteidigt ihr Recht, eine "Fremde" zu bleiben, sie zeigt anhand von Putins Imagestrategien, dass das Bild alles ist und der Inhalt nichts, sie erzählt Geschichten von jugoslawischen Gastarbeitern und polnischen Klempnern, von Europas neuer Unterschicht - den Obsessionen des modernen Weltbürgers.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.08.2012

Gewohnt bissig, geistreich und nah am Puls der Zeit bewegt sich die in Amsterdam lebende kroatische Autorin Dubravka Ugresic in ihrem jüngsten Essayband, findet Ilma Rakusa. In kaum überbietbarer Vielfalt nimmt sich die Autorin nicht nur der virulenten Entwicklungen der Massenmedien an, wo sie sich, wie die Rezensentin meint, verblüffend gut auskennt. Gleichzeitig schreibt sie gegen Intoleranz und Korruption, nationalistische Tendenzen in Exjugoslawien oder Geschichtsklitterung an, wobei sich viel Bitterkeit auch über den "Hexenprozess" von 1992, den man ihr und anderen Schriftstellern in Zagreb machte, Bahn bricht, so die Rezensentin. Bei aller Unerbittlichkeit, das macht Rakusa klar, wirkt Ugresic schon allein, weil sie ihre Fakten kennt, nie einfach nur "rechthaberisch". Mit dem Essayband hat man die ganze Vielfalt der Themen, die die Autorin umtreiben, in der Hand, so die Rezensentin, die sich vom Ernst, Witz und der polemischen Verve dieses Bandes hat mitreißen lassen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2012

Eine radikale Kritik am postmodernen Kulturbetrieb erblickt Ulrich M. Schmid in Dubravka Ugresics Buch "Karaokekultur". Dass die in Amsterdam lebende kroatische Schriftstellerin viel Autobiografisches einfließen lässt, findet er im Wesentlich angemessen. Nur die Abrechnung mit einem ihrer ehemaligen Professoren, dem Avantgarde-Forscher Aleksandar Flaker, hat bei ihm einen "schalen Nachgeschmack" hinterlassen. Im Zentrum von Ugresics Kritik sieht er die "Herabwürdigung der Kunst zu einem demokratischen Spektakel", die sie allerorten wahrnimmt: in Massenkultur, in Casting-Shows, bei Twitter und so weiter. Allerdings wirkt die heftige Kulturkritik der Autorin auf Schmid weniger wütend als resignativ. Auf eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Ugresics Thesen verzichtet er. Aber er lobt das Buch als "glänzend" geschrieben.

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