Aus dem Kroatischen übersetzt von Alida Bremer. Vier Generationen und eine Erzählerin, die sich den Tücken der Erinnerung stellt. Ivana Sajko erzählt vom Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg, von der Titozeit und vom Himmel über Zagreb, vom letzten Krieg in Europa und von Liebe und Tod. Ratlosigkeit und Hoffnung wechseln sich ab mit Idealismus und Enttäuschung, das Private kreuzt das Öffentliche, die Geschichte einer kleinen Familie die große Geschichte unseres Kontinents.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2020
Rezensent Tilman Spreckelsen entdeckt eine Menge Brüche in dem Roman von Ivana Sajko, den er als Vier-Generationen-Porträt bezeichnet und als Erzählung von der kroatischen Geschichte. Dass die Autorin "nur" Schlaglichter wirft, unterbrochen von Dokumenten und Kommentaren, scheint ihm zur Diskontinuität der Erfahrungen zu passen, die die Figuren machen. Das so entstehende "diffuse" Bild, meint Spreckelsen, gibt die Verstörungen der beiden Protagonisten gut wieder, die Krieg und Ideologie auslösen. Einheitlich erscheint dem Rezensenten das Buch immer dann, wenn die Autorin in Bildern von einem Erbe zwischen den Generationen erzählt, auch wenn dies Erbe nicht unbedingt ein gutes ist, ahnt Spreckelsen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.05.2020
Johannes Kaiser lobt Ivana Sajkos Familienroman als bildreiche Bearbeitung der grundsätzlichen Erfahrung von Liebe, Trauer und Verlust. Aus Dokumenten, Erinnerungen, der eigenen Auswahl und der fiktionalen Ausgestaltung entsteht eine Geschichte Zagrebs von der Machtergreifung der Ustascha bis zur Gründung Jugoslawiens sowie die einer Familie über mehrere Generationen, erläutert der Rezensent. Den Roman beschreibt er als poetisch, anschaulich, anspruchsvoll und von allgemeiner Gültigkeit.
In ihrem "Familienroman" erzählt Ivana Sajko in drei Schichten von den Lebenserfahrungen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien: der der Großeltern, der der Mutter und der der Stadt Zagreb, erklärt Rezensentin Doris Akrap. Zusammen ergeben sie der Kritikerin zufolge eine poetisch geschilderte Tour de Force durch drei autoritäre Regimes, in der es immer nur grausam weiter nach vorn geht. Von Alida Bremers hervorragend ins Deutsche übersetzt, stellt das Buch die großen Fragen nach dem Sinn des Erinnerns und der Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft, lobt Akrap.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…