Ausgewählt und übersetzt von Klaus-Jürgen Liedtke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2003
Mit großer Emphase bespricht Heinrich Detering die neuen Nachdichtungen der Lyrik Edith Södergrans. Detering apostrophiert die "erste modernistische Lyrikerin Skandinaviens von weltliterarischem Rang" als "Jüngerin Zarathustras", die ganz im Sinne Nietzsches den Schmerz poetisch erhöhe, "blutige Träume von Foltern und Massakern, von Zerstörung und Tod" träume und das Lebens als Leiden preise. Aber, fragt Detering, was ist "sadistische Größenphantasie", was Albtraum und Angst? Auskunft darüber könnten, meint er, die "Ausbrüche von Mitleid und Zartgefühl" geben, sowie die Biografie der Dichterin, die jung einer schweren Krankheit erlag. Die Hölle, weiß Detering, ist bei Södergran "umgedeutet zum Erlösungsort der gemarterten Seele". Zum Nachdichter Klaus-Jürgen Liedtke bemerkt Detering, dass er Södergran offensichtlich vor allem darin treu blieb, seine Verse ebenso ambivalent zu halten. Denn wo der Tonfall der Vorlage eher salopp und kühl ist und dadurch einen wirkungsvollen Kontrast zum hitzigen Blutrausch der Inhalte erzeuge, dort lade Liedtke "rhetorisch mächtig auf", und das sei gut und schlecht zugleich - um nicht zu sagen "gefährlich grandios". Er wolle aus Hässlichkeit Schönheit machen, und das gelinge ihm so überzeugend, dass zu konstatieren sei: "Eindrucksvoll, aber falsch."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.01.2003
Mit gemischten Gefühlen hat Peter Luthersson die Gedichte der schwedischen Dichterin Edith Södergran aufgenommen, die der Lyriker und Übersetzter Klaus-Jürgen Liedtke zusammengestellt hat. Liedtkes Auswahl kreist nach Einschätzung des Rezensenten im wesentlichen um existenzielle Motive. Er lasse Edith Södergran als eine Dichterin auftreten, die nach einem Ausdruck für ihre große, kaum erträgliche Einsamkeit suche und sich nach Liebe, nach den Augen, nach dem Herzen, nach der Seele eines anderen verzehre. Neben den existentiellen Motiven entdeckt Luthersson einen "heftigen Aktivismus" in dieser Dichtung, der sich in einer tiefen Verachtung des Schwachen und Kleinen, und einem Kult der Stärke manifestiere. Zweifellos dokumentiert Liedtke mit seiner Auswahl eine "tiefe Vertrautheit" mit der schwedischen Sprache und der schwedischen Literatur, hält Luthersson fest. Dennoch hätte er sich gewünscht, dass Liedtke die Dichterin Södergran mehr als Exponentin ihrer Zeit, als Zeugin einer radikalen historischen Veränderung zeigt. "Lieber als ein Wesen, das sich frei im Raum der Schönheit bewegt", resümiert Luthersson "würde ich sie auf der festen Grundlage ihrer Lebensumstände betrachten."
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