Mit einem Nachwort von Kurt Wölfel. Hat Jean Paul tatsächlich ein ausgeklügeltes Trinksystem im Selbstversuch entwickelt, um sich das tägliche Schreiben zu erleichtern? Und ist der Verfasser der Erziehungslehre "Levana" wirklich unfähig gewesen, seinen eigenen Kindern gutes Benehmen vorzuleben? Nicht nur Biographen interessieren sich für diese Anekdoten. In ihnen mischen sich der Mensch und der Autor bis zum nicht mehr Unterscheidbaren. Besucher, die voller Verehrung in die Bayreuther Schreibstube eindringen, wollen ihre Vorurteile bestätigt sehen, literarische Feinde suchen Munition für ihre Kritik. Sie alle bringen eine Voreingenommenheit mit, die sie anschließend in ihren Besuchsprotokollen festschreiben. Der Jean Paul-Forscher Eduard Berend hat Augenzeugenberichte aus Briefen, Tagebüchern oder Lebenserinnerungen in diesem Band zusammengetragen. In Anmerkungen stellt Berend die Zeitzeugen vor und verknüpft manche Beobachtung mit Jean Pauls eigenen Schriften.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2002
Das Buch Eduard Berends (1883 bis 1973) mit Berichten über Zeitgenossen des "unzugänglichsten unter den großen deutschen Erzählern", Jean Paul, das erstmals im Jahr 1913, später noch einmal 1956 erschienen war, ist, schwärmt Wolfgang Schneider, "ein wunderbarer Zugang" zu diesem großen Erzähler. Sowohl inhaltlich als auch in der Zusammenstellung der Schreiber sei dieser Band einfach "grandios", so der Rezensent, der sichtlich erfreut ist, dass diese Sammlung nun eine Neuauflage erfahren hat. Enthalten seien vor allem, informiert Schneider, Texte aus den letzten fünfzehn Lebensjahren Pauls, der nach dem Tod seines einzigen Sohnes kaum noch Lebensmut schöpfen konnte. Einige der Texte, so der Rezensent, gingen über Erinnerungen an Paul weit hinaus und verdichteten sich zu Essays. Und die Auswahl hält der Rezensent für überzeugend, denn schließlich hatte Berend als Begründer der historisch-kritischen Ausgabe der Werke Pauls sein ganzes Leben gewidmet, weiß Schneider.
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