Herausgegeben von Wolfgang Jacobsen. Wien - im Schnittpunkt der politischen Blöcke in Ost und West. Hier begegnen sich Andzrej, polnischer Jude und Kommunist, der Kopf eines Agentenrings, und die Studentin Lisa. Sie erliegt einer obsessiven Leidenschaft. Er nutzt Sex als Glück für einen Augenblick. Die dritte Protagonistin ist die Stadt Wien mit ihrer ganz eigenen Atmosphäre, mit jener Wurschtigkeit und der allgemeinen Düsternis, ein Babylon der Sprachen, ein Milieu der Emigranten, alter Spanienkämpfer, und der Agenten für den Osten. Der Rhythmus des Ganzen, so Jelinek, sei eine sanft schwingende Sinuskurve, cool und plötzlich von jähen Action-Zacken gestört. Sie schrieb dieses Drehbuch 1980, Rainer Boldt wollte Regie führen, Helmut Wietz produzieren. Serge Gainsbourg und Tilda Swinton waren als Hauptdarsteller ins Auge gefasst. Doch strauchelte das Projekt im Dschungel der bundesdeutschen Filmförderung. Nun wird das Drehbuch erstveröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.06.2018
Für Insa Wilke ist Elfriede Jelinek mit diesem nie veröffentlichten Drehbuch von 1981 noch immer ihrer Zeit voraus. Unterhaltsam, sprachlich und dramaturgisch virtuos und politisch aktuell erscheint ihr der Text, der die Umsetzung in Bild und Ton gar nicht nötig hat, wie sie findet. Ein Wiener Agenten-Thriller aus dem Kalten Krieg, den die Autorin so genüsslich wie gekonnt in Szene setzt, meint Wilke. Über Jelineks Entwurf von Atmosphäre und Bildern ist Wilke einfach nur glücklich, die "Wurschigkeit und Düsternis" der Stadt kann sie greifen. Hinter der psychologischen Liebestragödie im Hemd eines Agenten-Thrillers entdeckt sie außerdem Jelineks Beschäftigung mit Machtverhältnissen und Deformationen.
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