Aus dem Lateinischen von Werner von Koppenfels. "Was, zum Teufel, ist denn hier los? Wieso geht die Tür nicht auf ? ... Mir steigt die Galle hoch! Denen schlag ich glatt die Tür ein!" So ungestüm pocht in der schneidendsten Satire des großen Erasmus (1465 od. 1469 - 1536) Julius II. an die Pforte des Himmels, auf den er als Prunkpapst und großer Krieger ein Anrecht zu haben glaubt. In seinem Dialog mit dem Türhüter Petrus, dessen ironischer Witz zu Lasten des Titelhelden geht, zeigt sich der Kirchenfürst und Bauherr des Petersdoms als Großsprecher einer total verweltlichten und machtbesessenen Kurie. Seinem in urchristlicher Naivität befangenen Vorgänger erläutert er ebenso drastisch wie selbstgefällig die diabolischen Winkelzüge eines modernen Kirchenregiments. Die paradoxe Pointe besteht darin, daß sich der christliche Oberhirte dabei als wahrer Antichrist entlarvt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.04.2012
An dieser Erasmus von Rotterdam zugeschriebenen satirischen Schrift hatte, wie Gustav Seibt weiß, Martin Luther sein Vergnügen und auch ihn fesselt und amüsiert sie als bissiger Kommentar zum Papsttum kurz vor der Reformation. Die zweisprachige Ausgabe nebst fundierten Anmerkungen demonstriert nicht nur die Kühnheit, mit der Erasmus die Lasterhaftigkeit des bereits verstorbenen Papstes Julius II. anprangert, so der Rezensent beeindruckt. Er zeigt den Renaissance-Papst eben auch als modernen Menschen, der sich in seinen "Freiheitsmöglichkeiten" nicht einschüchtern lässt, und zugleich ein "neues Heidentum", das mit der Reformation in seine Schranken verwiesen wurde, so Seibt fasziniert.
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