Unauslöschliche Geschichten: Von einem Kind, dessen Eltern vergessen haben, es zu lieben, und was aus ihm geworden ist. Von einer Frau, die ungern von sich spricht und im Erinnerungsnebel zu verschwinden droht. Von einem Mann, der aus Liebe das größte Geheimnis hütet. Von einem Großvater, der sein verschlepptes Enkelkind sucht und weiß, dass die eigenen Kinder für ihn sterben mussten. Von einem Revolutionär, der immer wieder von den Toten aufersteht. Erwägungen über die zehn Gebote eines Erzählers, über ein Land mit zwei Waagschalen, über die Besichtigung eines Museums der besonderen Art und über die Frage, wie ein Stück Würfelzucker unter zehn Menschen aufzuteilen ist. Dazu Porträts von Autoren, die zu bedeutend sind, als dass sie im Literaturbetrieb wahrgenommen würden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2004
Erst einmal betont Hans Christian Kosler - nie ein gutes Zeichen - die Verdienste des Autors Erich Hackl. Lange bevor die Vermischung von Realem und Fiktion Mode wurde, habe Hackl, "der Grenzgänger zwischen Literatur und historischer Reportage par excellence", seine literarischen Verdichtungen tatsächlicher Leben verfasst. Fast immer galt sein Interesse den vermeintlichen Verlierern, die sich gegen die durch "Geburt und Herkunft" vorgezeichnete Niederlage wehren. Leider aber, und damit beginnt die nicht sehr freundliche Besprechung dieses neuen Bandes, habe sich Hackl kein bisschen weiterentwickelt. In der Ballung, die diese Sammlung bedeutet, findet Kosler die meisten "Geschichten statt aufrüttelnd nur redundant". Was freilich nichts daran ändere, dass der Autor als "Gewissensinstanz" in Österreich ganz unverzichtbar bleibe.
"Wie wohltuend ist es, so etwas zu lesen", seufzt Thomas Kraft über die Geschichten und Erwägungen, die Erich Hackl hier zusammengetragen hat. Hackl erinnert in seinen Texten an "Journalisten, Widerstandskämpfer und politisch oder ethnisch Verfolgte, an Veteranen des Spanischen Bürgerkriegs ebenso wie an Emigranten und Mitglieder der Arbeiterbewegung". Und all dem hafte etwas ganz Altmodisches an, staunt der Rezensent: das "Moment der Aufklärung" und ein "Wertegefühl" Doch nicht nur der Inhalt, auch die Präsentation der Porträts gefällt dem Rezensenten. Er lobt den ebenso "mitfühlenden wie historisch nüchternen" Ton der über einen Zeitraum von sechs Jahren geschriebenen Biografien und findet, dass die richtige Balance zwischen persönlichem Bezug und dem Blick aufs große Ganze geschaffen wurde.
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