Erich Kästner - politisch wie nieObgleich Erich Kästner als Satiriker und selbsternannter Schulmeister bekannt ist, bezog der Dichter der Neuen Sachlichkeit in seinen Werken selten politisch Stellung und ist weniger für sein politisches Engagement bekannt als für seine Rolle des scharfen Beobachters. Dabei verfasste er bereits als junger Autor kritische Schriften zum Tagesgeschehen und durchlebte im Alter eine regelrechte Radikalisierung, nahm an Kundgebungen gegen Atomkraft und den Vietnamkrieg teil und hielt dort scharfzüngige Reden. Diese Leerstelle in der öffentlichen Wahrnehmung füllt Sven Hanuschek nun mit Leben, indem er kaum bekannte und zum Teil unveröffentlichte Texte Kästners zusammenstellt, kommentiert und in einem Nachwort einordnet. So entsteht ein faszinierender neuer Einblick in diesen weltberühmten Autor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.04.2023
Rezensent Hilmar Klute findet in den journalistischen Arbeiten Erich Kästners, die der Germanist und Autor Sven Hanuschek hier versammelt, dessen gewohnt "schnoddrigen" Ton vor, aber auch die selbstkritische "Frage nach der eigenen Courage". Besonders interessant sind für den Rezensent die Texte, die Kästner kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verfasst hat: Sie zeigen, wie der Autor einerseits als Gebliebener mit seiner Rolle in Nazideutschland rang, andererseits darum bemüht war, in seinen Texten ein kohärentes Selbstbild aufrecht zu erhalten, so Klute. Biografische Leerstellen werden nicht zwangsläufig gefüllt, doch es wird ersichtlich wie intensiv Kästner sich nach der eigenen Schuld befragte. Gebannt liest der Kritiker Kästners Reportage über die Nürnberger-Prozesse, in der der Autor die Angeklagten, aber auch die eingeladenen internationalen Beobachter mit geradezu filmischer Genauigkeit beschreibt und die "Psychopathologien" der Verbrecher besser einfängt als jede Dokumentation.
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