Dem Grundwasserstrom folgend läßt uns Erika Burkart mit ihren Aufzeichnungen aus den letzten sieben Jahren teilhaben an ihrer poetischen Welt, der Quintessenz ihres Schreibens und Denkens. Ein Cicerone auch durch ihre Biographie ? Erinnerungen an die Kriegsjahre, an Freunde, den Todestag der Mutter. Und immer wieder steht die Natur im Blickfeld, das "Gartenparadies", mit dem und in dem sie lebt und das existentieller Mittelpunkt ihres Erlebens und ihrer Reflexion ist. In "Grundwasserstrom" ? wie in allen Werken Erika Burkarts ? fallen Naturbetrachung und Poetik ineinander. Bereichert durch Kostbarkeiten aus den Werken ihr gemäßer Dichter, die sie zitiert und die ihre "geistig-seelische Vita" dokumentieren, ist dieses Buch ein dichtes Gefüge aus Weisheiten des Lebens und der Kunst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2001
Obwohl die 79jährige Schweizer Autorin auch Prosastücke und Romane geschrieben hat, ist sie in ihrer Heimat vor allem als Lyrikerin bekannt geworden - zu Recht, meint Pia Reinacher. Insofern wundert es sie nicht, dass den parallel zu den letzten Gedichtbänden entstandenen Notaten, die nun in "Grundwasserstrom" gebündelt vorliegen, ein lyrischer Grundton zu eigen ist. Reinacher vergleicht Burkarts Verfahren mit der Methode eines Schmetterlingsforschers, der seine Objekte einfängt und unter Glas setzt. So manches Fundstück aus dem assoziativen Gedankenstrom findet Reinacher zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen und seiner "Magie beraubt". Und doch habe diese Methode auch den Vorteil, dass sich manchmal wahre Treffer darunter finden, die sich als Leitsätze geradezu ins Bewusstsein der Leser einbrennen. In den geglückten Passagen kämen Poesie und Erkenntnis auf spielerische Weise zusammen, so Reinacher.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2000
Behutsam und bewundernd schreibt Elsbeth Pulver über diese "Aufzeichnungen", die zunächst in Gestalt von Erinnerungen, Zitaten und - als "Höhepunkt des Buches" - einigen Erzähltexten keinen Zusammenhang beanspruchen, und ihn dann doch liefern. Ein Strindberg-Zitat, das die Rezensentin mitliefert, scheint die Poetologie der Autorin grundsätzlich zu benennen: `Du musst Realist sein, um Mystiker zu werden`. Und so kommt es denn, dass die Beschreibung von Landschaften, ihren Pflanzen- und Erdbeschaffenheiten, ihren Flur- und Kindheitsnamen, zum Ausdruck einer magische Zeit wird, so Pulver. Der titelgebende "Grundwasserstrom" sei ebenso geologisch wie poetisch und existentiell. Dieses Buch ist das "verschwiegendste" und "zugleich das anmutig unangestrengteste" der Schriftstellerin geworden, schreibt Elsbeth Pulver.
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