Ernestine Schlant

Die Sprache des Schweigens: Die deutsche Literatur und der Holocaust

Cover: Die Sprache des Schweigens: Die deutsche Literatur und der Holocaust
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406471889
Gebunden, 350 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Wie hat sich die Literatur der Bundesrepublik nach 1945 mit dem Holocaust auseinandergesetzt? Von Heinrich Bölls "Wo warst du, Adam?" bis zu Peter Schneiders "Paarungen", von Günter Grass' "Katz und Maus" bis zu Bernhard Schlinks "Der Vorleser" reicht das Spektrum der deutschen Nachkriegsprosa, das Ernestine Schlant in ihrem in den USA vielbeachteten Buch eingehend untersucht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2002

Eine der "wichtigsten neuen germanistischen Arbeiten" ist diese Studie über den Holocaust in der deutschen Literatur für Rezensent Paul Michael Lützeler. Wie die Autorin Ernestine Schlant das Schweigen und "Verdrängen" als ein Hauptmerkmal der deutschen Literatur nach 1945 ausmacht, dabei auch die Gruppe 47 nicht ausnimmt, und insbesondere, wie "subtil" sie die Ausnahmen analysiert, wie "genau" sie liest und wie sie Zusammenhänge herstellt, das lobt Lützeler als sehr gekonnt und überzeugend. Auch die Untersuchungen einiger Auseinandersetzungen zum Thema im Schlusskapitel - über Bitburg, Historikerstreit, Fassbinder-Streit und Jenninger-Rede zur Diskussion um die "Wiedervereinigung" - sind "souverän" analysiert, meint Lützeler, für den sich aber auch einige Fragen aufdrängen. Dies ist für ihn ein Zeichen, dass die Studie "ein Anfang" ist nach deren Lektüre viele Werke "neu zu lesen" sein werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.01.2002

Hanno Loewy lobt die Pioniertat der amerikanischen Autorin, Literaturen aus der "Gesellschaft der Täter" einer systematischen Analyse unterzogen und die wenigen Texte "authentischer Trauerarbeit" der Menge an "Versöhnungsfantasien" gegenübergestellt zu haben. Neben der "Genauigkeit und Sensibilität", mit der die Autorin sich auf die Stille und die Leerstellen in den Texten einlässt, um "die verleugneten Erfahrungen mit den Opfern als Störungen der Sprache" (gestaute Satzteile, metonymische Inkonsistenzen, widersprüchliche Zeitformen etc.) zu entdecken, sind es Lektüre-Überraschungen wie die mit einem frühen Martin Walser "auf dem Weg zur Re-Identifikation mit dem nationalen Kollektiv", die dem Rezensenten den Band wert gemacht haben. Anmerken möchte er indes, dass Stottern und Schweigen heute durchaus auch mit den Tabus der Gegenwart (nicht nur der Vergangenheit) zu tun habe. Gern hätte der Rezensent darüber in einem angefügten Schlusskapitel gelesen.

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