Als für die erste Ärztemission an die Ostfront neben Krankenschwestern auch Pfleger gesucht wurden, meldete sich der als Pfleger augebildete Ernst Gerber sofort und fuhr als Teilnehmer der ersten Mission sowie etwas später auch der dritten Mission in die besetzten Gebiete der Sowjetunion. Für die vierte Mission in die Ukraine hatte er sich angemeldet, bekam aber kurz vor der Abreise eine Blinddarmentzündung, musste operiert werden und konnte daher zu seinem großen Bedauern nicht mitfahren. Als Rudolf Bucher 1967 sein Buch "Zwischen Verrat und Menschlichkeit" herausgab und so mit fundamentaler Kritik an der Mission und ihren Teilnehmern an die Öffentlichkeit trat, fühlte sich Ernst Gerber herausgefordert, ihm unter regem Briefwechsel mit zahlreichen Teilnehmern entgegenzutreten. In nächtelanger Arbeit arbeitete er die Ereignisse während der ersten Mission auf und gab 1969 seine Darstellung in seinem Buch "Im Dienste des Roten Kreuzes" heraus, leider zu spät, und daher von der Öffentlichkeit nicht mehr genügend zur Kenntnis genommen. 1991 wurde Ernst Gerber vom Schweizer Fernsehen angefragt, ob er bereit wäre, anläßlich der Sendung "Spuren der Zeit" seine Erlebnisse und Eindrücke über die erste und dritte Ostfrontmission der Schweizer Bevölkerung in Erinnerung zu bringen. Er sagte mit Begeisterung zu. Das Ergebnis war eine sehr kritische, sehr erfolgreiche Sendung, die am 4.12.1991 ausgestrahlt wurde. In den folgenden Jahren trat Gerber immer wieder mit Presseartikeln und Rundfunksendungen an die Öffentlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2003
Zu den heiklen Punkten der Schweizer Neutralitätsgeschichte zählen für den "tmn." zeichnenden Rezensenten die Schweizer Ärztemissionen zur Ostfront während des Zweiten Weltkriegs - schließlich sei die humanitäre Aktion einseitig der deutschen Kriegspartei zugute gekommen, einer Kriegspartei, die einen Vernichtungskrieg betrieb. In seinem Tagebuch "Im Dienst des Roten Kreuzes" wehrt sich Ernst Gerber indes gegen den Vorwurf, die Mehrheit der Teilnehmer sei damals nazifreundlich gewesen, berichtet der Rezensent. Gerber, der an zwei Missionen als Pfleger teilgenommen hatte, zeichne in seinem Tagebuch "nüchtern" die "Normalität des Grässlichen" auf. Unvermeidlich habe er sich unter "Kameraden" empfunden, so der Rezensent, "als die in kleine Gruppen eingeteilten Schweizer in der russischen Eiseskälte von minus 40 Grad Schwerverletzten wie am Fliessband die erfrorenen Glieder amputierten".
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