Kleinbürger und Kleingeist Dickmann sitzt auf einem Richterstuhl in der ihm verhassten Weimarer Republik. Schon der Vater war Landgerichtsdirektor in der Kaiserzeit. Landgerichtsrat Dickmann verteidigt das Recht und vor allem seine Auffassung davon. Als Jura-Student und Mitglied einer schlagenden Verbindung fechtet er Mensur und treibt seine schwangere Geliebte zur Engelmacherin. Die junge Frau stirbt, aber die Karriere geht weiter. Dickmann fällt seine Urteile - nicht immer über Zweifel
erhaben, aber grundsätzlich gilt: im Zweifel für sich selbst. Es gibt keine Gleichheit vor dem Gesetz. Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen: Rechts vor links und reich vor arm.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2018
Rezensent Simon Strauß freut sich über die Veröffentlichung dieses Romans aus der Hand des "linken Weimarer Helden" Ernst Ottwalt. Was der Autor hier aus dem Leben und Wirken des Landgerichtsrats Friedrich Wilhelm Dickmann erzählt, spornt Strauß an, die Tatsachen gleich mal zu überprüfen. Sah so wirklich die Rechtsprechung in der kleinen Strafkammer des Berliner Kriminalgerichts aus? Doch einer Erzählstimme, die an Erich Kästner oder einem Portagonisten, der an Manns "Untertan" erinnert, glaubt Strauß schließlich gerne. Die Sozialkritik im Buch hört er aus Passagen voller Wut heraus, im übrigen aber hat der Text für ihn eher wenig von einem historischen Roman, mehr noch vom "Hauptmann von Köpenick". Lesenswert erscheint ihm das alles heute noch vor allem wegen des Kampfes um Gerechtigkeit, den er hinter den meist kühlen Tatsachenbeschreibungen zu spüren meint.
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