Wiltraut Rupp-von Brünneck war eine der profiliertesten Juristinnen der Bonner Republik. Von 1963 bis 1977 amtierte sie als Richterin des Bundesverfassungsgerichts - als einzige Frau unter fünfzehn Männern. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde sie in den Siebzigerjahren durch ihre pointiert formulierten Sondervoten bekannt, in denen sie die Entscheidungen ihrer mehrheitlich konservativen Richterkollegen kritisierte. Ihr Sondervotum zum umstrittenen Abtreibungsurteil machte sie zu einer Identifikationsfigur der Frauenbewegung. Auf der Grundlage umfangreicher Archivbestände schildert Fabian Michl den außergewöhnlichen Lebensweg einer Spitzenjuristin und streitbaren Vorkämpferin für Gleichberechtigung, Sozialstaat und Demokratie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.04.2022
Wolfgang Janisch liest Fabian Michls gut informierte Biografie über die sozialdemokratische Verfassungsrichterin Wiltraut Rupp-von Brünneck mit Interesse. Dass RichterInnen-Biografien so spannend und von so allgemeiner Gültigkeit sein können, hält er für eine Seltenheit. Überzeugend findet er nicht nur die Nachzeichnung einer Karriere mit Brüchen und Fragezeichen (so zum Verhalten der Richterin im Nationalsozialismus), sondern auch Michls ergebnisoffenen Ansatz, der es den Lesern überlässt, sich ein eigenes Bild zu machen und zu urteilen, und sich auf Lesbarkeit und Ausführlichkeit konzentriert.
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