Gott will es so. Der Staat will es so. Dein Vater will es so. Warum aber ist da ein Oberes, Unsichtbares, das mir sagt, was ich zu tun, zu lassen, zu denken, zu glauben, was ich zu arbeiten und wen ich zu lieben habe? Der Anarchismus setzt uns auf ein politisches und philosophisches Karussell, von dem man nicht weiß, wann es anhält. Der Anarchismus gibt sich nicht zufrieden mit dem, was ist. Er will das Ende von Gewalt und von Herrschaft. Er will ein Leben vor dem Tod. Eva Demski hat die spannende Geschichte des Anarchismus durchstreift - und die zahllosen Ausprägungen, in denen sie ihm begegnet ist, gesammelt. Sie erinnert an Bakunin, Mühsam und Emma Goldman, erzählt von anarchistischen Uhrmachern des 19. Jahrhunderts, von fortschrittlichen Fürsten und Entdeckerinnen wie Isabelle Eberhardt; sie entdeckt fast vergessene Dichterinnen und Dichter und versucht, den Sisi-Mörder Lucheni zu begreifen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2023
Rezensent Jochen Schimmang lernt mit Eva Demski, das richtige Leben im falschen zu führen. Neben Adorno, den "Bärten" Bakunin, Marx und Kropotkin kommen noch Karl Lagerfeld und Udo Lindenberg als Anarchisten vor, stellt Schimmang überrascht fest. Als Handbuch des richtigen Lebens taugt das Album laut Rezensent nicht zuletzt deshalb, weil Demski den Defiziten des Anarchismus nachspürt und echte Lebensgeschichten erzählt.
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