Harry Pross

Lob der Anarchie

Erfahrenes und Erlesenes
Cover: Lob der Anarchie
Karin Kramer Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783879562909
Kartoniert, 198 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Lob der Anarchie - das dürfte nur jene erschrecken, die Anarchie mit Chaos, Gewalt, Attentaten, Mord assoziieren. - Wie oberflächlich der zeitgenössische Sprachgebrauch ist, konnte im Krieg gegen den Irak festgestellt werden: Die Blätter schrieben: "Es herrscht Anarchie im Irak." Gegen diesen irreführenden "Sprachgebrauch", der nur der Desinformation dient, schreibt Pross in seinen Essays. - Anarchie: wir wissen es, ist Abwesenheit von Herrschaft des Menschen über den Menschen. Wie weit die Bereitschaft der Medien ging (und geht), Anarchie, Anarchisten zu diffamieren, beschreibt Pross am Beispiel der Baader-Meinhof-Truppe, die in den Zeitungen beharrlich als "Anarchisten" bezeichnet wurden, aber nie als das, was sie wirklich waren: Kommunisten. Sie schwangen die rote, aber nicht die schwarze Fahne, waren autoritäre Ideologen. - Pross setzt sich auch mit der Revolutionären Ungeduld des Wolfgang Harich auseinander, beschreibt die Visionen einer herrschaftsfreien Welt im Denken von Albert Camus, Gustav Landauer, Martin Buber, B. Traven, Erich Mühsam und Leo Tolstoi. - Es gelingt ihm, politisches und mystisches Denken der Genannten zusammen zu führen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.07.2004

Anhand dieses Buches des Journalisten und ehemaligen Publizistikprofessors Harry Pross hat Rezensent Rudolf Walther gelernt, dass eine alte Regel nicht immer gilt: "Zu einem Buch zusammengestellte Zeitungsartikel erwecken oft den Eindruck von Zufälligkeit und Überflüssigkeit - fehlt ihnen der Kontext, aus dem sie stammen, verlieren sie den Boden unter den Füßen." Die hier gesammelten Artikel und Radiofeatures von Pross, lobt Walther, würden dagegen sogar bestehen, obwohl sie zum Teil über dreißig Jahre alt sind. Man könne als Leser "nur staunen, wie frisch diese Prosa geblieben ist". Im ersten Teil des Buches findet man Beiträge, so berichtet Walther, in denen der Autor sich mit der Beschimpfung von Studentenbewegten und Terroristen als "Anarchisten" auseinandersetzt, die nach Ansicht von Pross völlig an dem, was die Bezeichneten tatsächlich waren, vorbeiging. Das zweite Kapitel enthält vier Artikel von Pross zu den "Lehren aus Weimar", im dritten Teil des Buches, so erfahren wir, porträtiert der Autor vier Wissenschaftler und Intellektuelle, die für ihn selbst wichtig geworden sind (Gustav Radbruch, Gustav Landauer, Martin Buber, Albert Camus) und das letzte Kapitel des Buches enthält kleine Porträts von Heine und Tolstoi sowie "Erinnerungsblätter" an den Philosophen Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski sowie den Publizisten Herwarth Walden.

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