Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt der politischen Philosophie der Moderne: Hat der Bürger eine moralische Pflicht zur Befolgung der Gesetze? Kann der Staat ein Recht zur Ausübung politischer Herrschaft in Anspruch nehmen? Der Anarchist geht von einer engen Korrelation der beiden Fragen aus und gibt eine negative Antwort. Trotz ihres Zweifels an der Autorität des Staates postulieren nun jüngere, philosophische Anarchisten (Wolff, Simmons) im Gegensatz zu traditionellen, politischen Anarchisten doch keine Pflicht und kein Recht zur Abschaffung des Staates. Zunächst wendet sich das Buch einer Analyse der genauen Bedeutung, der normativen Quellen und der verschiedenen Spielarten des anarchistischen Zweifels zu. Eine kritische Rekonstruktion prominenter Begründungen einer Pflicht zum Rechtsgehorsam aus der Geschichte der politischen Ideen (Platons Dankbarkeitsargument, das klassische Naturrecht, Lockes Vertragstheorie) und der systematischen Debatte der Gegenwart (Harts Grundsatz der Fairneß, Rawls' Pflicht zur Gerechtigkeit, prozeduralistische und deliberative Theorien der Demokratie) bildet dann den Hauptteil der Untersuchung. Sie führt zum Ergebnis, daß sich der Zweifel des Anarchisten nicht vertreiben läßt. Obwohl das Potential der klassischen und zeitgenössischen Ansätze von vielen Anarchisten unterschätzt wird, bleiben zuletzt doch gute Gründe zur Skepsis gegenüber der Autorität des Staates bestehen. Die Teilergebnisse der Untersuchung lassen sich aber für eine neue, multiprinzipielle Theorie der politischen Legitimität fruchtbar machen, die insbesondere auch die enge Korrelation von bürgerlicher Gehorsamspflicht und staatlichem Herrschaftsrecht in Frage stellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2006
Diejenigen, die an die Traktate deutscher Philosophen gewöhnt sind, sollten sich keinesfalls von den angelsächsischen Stilmitteln dieses Autors - Offenheit, Orientierung an der Sache, Verzicht auf Begriffshuberei und die einfache Darstellung vertrackter Sachverhalte - abschrecken lassen, mahnt Gerd Roellecke. Peter Rinderle fragt in seinem Buch nach der Rechtfertigung staatlicher Autorität. Was verpflichtet Bürger, politischen Entscheidungen zu gehorchen? In dem alten Streit zwischen Staatsbefürwortern und Staatskritikern, zwischen Etatisten und Anarchisten, setzt Rinderle auf das Konzept der Gegenseitigkeit. Das Verhältnis Bürgern und Staat müsse man als eines auf gleicher Augenhöhe begreifen, als gegenseitige Abhängigkeit von Individuum und Politik. Dann nämlich verpflichten Fairness, die Idee der Gerechtigkeit oder die Teilnahme am demokratischen Verfahren die Bürger dazu, politischen Entscheidungen Folge zu leisten, umreißt Roellecke Rinderles Gedanken. Wobei letzte Zweifel am Machtumfang des Staates, die "Zweifel der Anarchisten", beileibe nicht auszuräumen sind. Der Rezensent zeigt sich von Rinderles Ausführung im großen und Ganzen überzeugt, bedauert allerdings seine Entscheidung, Fragen zur Moral und ihrem Verhältnis zum Recht ausgespart zu haben.
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