Weder Kapitalismus noch Demokratie galten in den 1920er und 1930er Jahren als Pfeiler der Stabilität. Das begann sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu ändern. Dargestellt wird dieser Wandel in der Regel als Triumph von kapitalistischer Konsumgesellschaft und wohlfahrtsstaatlich gesicherter Demokratie über Faschismus und Kommunismus. Hermann Bücher zum Beispiel, Vorstandsmitglied des Reichsverbands der Deutschen Industrie, hielt Politiker für ökonomisch inkompetent und Parlamente für ungeeignet, um die wirtschaftlichen Grundlagen moderner Gesellschaften zu gestalten. Dennoch avancierte er nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem wichtigen Berater der ersten bundesdeutschen Regierung unter Konrad Adenauer. Wie kam es dazu, dass Akteure wie Hermann Bücher in Deutschland, genauso wie andere in Frankreich, demokratische Regierungen als Partner des Kapitalismus akzeptierten?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2019
Durchaus interessiert hat der hier rezensierende Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe dieses Buch seines Historikerkollegen Philipp Müller gelesen. Wie sich die Abkehr vom ungezügelten Kapitalismus der Vorkriegszeit hin zu einer gesteuerten Ökonomie in Deutschland und Frankreich in den Jahren 1920 bis 1950 ähnelte beziehungsweise aufeinander zu bewegte, kann Müller dem Kritiker "erhellend" und mit Blick auf bisher so nicht bekannte Kooperationen darlegen. Plumpe liest hier nach, wie die Unterhändler industrieller Interessenverbände überzeugt vom Nutzen kollektiv koordinierten Handelns grenzüberschreitend agierten und dies auch während und nach dem Zweiten Weltkrieg fortführten. Wenn der Autor dann allerdings anhand seiner Befunde die These aufstellt, die Koordination sei nicht Ergebnis der historischen Ausnahmesituation der beiden Weltkriege, sondern Folge eines fundamentalen Wandels des Kapitalismus, muss der Rezensent widersprechen: Müllers begrenzter Blick auf eine überschaubare Gruppe von Verbandsfunktionären ohne Berücksichtigung anderer zeitgenössischer Auffassungen, lasse einen solchen Schluss nicht zu, meint er.
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