Man vereinfacht die Dinge tatsächlich nur ein kleines bisschen, wenn man sie so zusammenfasst: Alles hängt an Taiwan.Es ist ein Konflikt, der die Welt in Atem hält: Die kommunistische Führung in Peking betrachtet Taiwan als "abtrünnige Provinz", die mit dem Mutterland vereinigt werden muss. Taipeh wiederum will seine faktische Unabhängigkeit und die hart erkämpfte Demokratie bewahren. Als führender Chip-Hersteller und aufgrund seiner Lage im westlichen Pazifik besitzt der Inselstaat zudem eine enorme Bedeutung für die Rivalität zwischen der Volksrepublik China und den USA. Nirgendwo ist eine direkte Konfrontation der beiden Supermächte wahrscheinlicher als in der Taiwanstraße. Stephan Thome beleuchtet in seinem Buch die Hintergründe dieses Konflikts, die in der medialen Berichterstattung meist zu kurz kommen. Er zeigt, warum Taiwans Geografie so wichtig ist und was aus ihr für eine mögliche militärische Auseinandersetzung folgt. In großen historischen Bögen erläutert er, wie Chinas Selbstverständnis als alte und neue Weltmacht, aber auch die amerikanische Bündnispolitik im Pazifik zur heutigen Situation beigetragen haben. Der Kampf um Taiwan hat längst begonnen und betrifft uns in Europa viel stärker, als wir glauben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2024
Spätestens nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist deutlich geworden, dass ein ähnliches Schicksal auch Taiwan drohen könnte: Taiwan ist möglicherweise der "gefährlichste Ort der Welt", schreibt der Economist, und Kritiker Kai Strittmatter schließt sich nach der Lektüre des neuen Buches von Stephan Thome an. Thome ist Schriftsteller, Philosoph und Sinologe und lebt in Taiwan und in diesem Buch zeigt er Strittmatter, welche Lügen die Kommunistische Partei in die Welt setzt, zum Beispiel, dass Taiwan immer schon Teil Chinas gewesen wäre. Macht China Ernst, könnte sich der Konflikt zu einem großen Krieg mit den USA ausweiten, obwohl mittlerweile auch nicht mehr so ganz klar ist, ob die Staaten nach dem Amtsantritt Trumps wirklich noch als Schutzmacht fungieren werden. Die Katastrophe ist abwendbar, liest Strittmatter, aber nur, wenn alle die "Augen aufmachen", auch die Europäer. Der Rezensent legt die Lektüre des kenntnisreichen und aufrüttelnden Buchs des informierten Experten Thome unbedingt nahe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2024
Rezensent Mark Siemons empfiehlt das Buch des in Taipeh lebenden deutschen Schriftstellers Stephan Thome für ein besseres Verständnis des Konflikts zwischen China und Taiwan. Wie Thome in seinem Essay Chinas Nation-Begriff und seine völkerrechtlichen Ansprüche analysiert, findet Siemons aufschlussreich. Mit Rückblicken auf die japanische Kolonialzeit und den chinesischen Bürgerkrieg versucht Thome Kategorien verständlich zu machen, um die sich der Konflikt dreht, so Siemons. Auch wenn der Autor den chinesischen Nationalismus nach Meinung des Rezensenten etwas zu negativ darstellt, Thomes Plädoyer für die Erhaltung des Status quo als derzeit verträglichste Lösung kann Siemons zustimmen.
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