Wie bildeten sich nationalistische Milieus in der Bonner Republik und welche Veränderungen durchliefen sie? Der Rechtsradikalismus formierte sich in der Bundesrepublik nicht nur über Parteien, sondern auch über nationalistische Milieus mit geteilten Lebenswelten und Netzwerken. Diese zeichnen sich durch ein kommunikatives Handeln aus, das rechtsradikale Vorstellungen und Praktiken festigte, etwa durch gesellige Ausflüge, Aktionen von Jugendverbänden oder Treffen in bestimmten Räumen. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes spüren der Lebenswelt nach, in der Rechtsradikale agierten und ihre Netzwerke ausbauten. Sichtbar wird, wie sich ihr Auftreten nach dem Nationalsozialismus veränderte und sie sich an den Gesellschaftswandel anpassten. Damit wird zugleich deutlich, wie sich Weltanschauung, Organisationen und Parteien der extremen Rechten veränderten, ebenso ihre sozialen Praktiken, Aktionsformen und Gewalthandlungen.
Ein lehrreiches Buch über rechte Kontinuitäten in der Bonner Republik liest Rezensentin Angela Gutzeit. Der von Frank Bösch und Gideon Botsch herausgegebene Sammelband zeichnet nach, wie sich rechtes Denken in der Nachkriegszeit im Milieu von Jugendzentren, auf Schulhöfen und in Vereinen etablierte. Rechtsextremistische Gewalttäter wurden in der Öffentlichkeit damals oft als Einzeltäter dargestellt, liest Gutzeit, eben weil die weitgreifendere Bedeutung rechtsradikaler Milieus vielfach übersehen wurde. Besonders wichtig für die Kultivierung rechten Denkens war die Bundeswehr, zeigt dieser Band auf, eine andere zentrale Vereinigung war die Wiking-Jugend, wieder andere Gruppierungen kopierten die Taktiken der Achtundsechziger. Die Beiträge des Bandes zeigen auf, resümiert Gutzeit, wie anpassungsfähig rechte Lebenswelten sind - heute profitiert davon die AfD.
Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…